Von Kapstadt aus fuhren wir mit dem Monstrum von gemietetem Geländewagen schnurstracks Richtung Norden. Ich war heilfroh, dass wir die Straße überwiegend für uns allein hatten, sobald wir das Stadtgebiet verlassen hatten. So konnte ich mich schnell an die Abmessungen des Wagens, die Tatsache, dass der Blick zurück nur über die Außenspiegel möglich war, und den Linksverkehr gewöhnen.
Unser Ziel waren die Zedernberge. Ein paar Zedern wurden in geschützten Lagen wohl auch gepflanzt, aber Wald gibt es dort weit und breit nicht.

Wer genau hinschaut, sieht auf dem Bild oben auch das besagte Monstrum. Wir hatten es hier mitten im Nichts abgestellt, um von dort aus noch weiter ins Nichts hinein zu wandern.

Beim Wandern konnten wir aufgrund des vorausgegangenen Besuchs im Botanischen Garten von Kirstenbosch auch schnell verschiedene Proteen und Fynbos identifizieren. Und auch verschiedene Gräser fielen uns auf. Später stellte sich heraus, dass genau diese als Ersatz für das in Europa heimische Reetgras zum Dachdecken benutzt wird.
Während uns der Sinn bald nach Schatten und besonders nach Wasser stand, nutzte ein südafrikanisches Pärchen unseren Wanderweg ins Nichts als cross country Joggingstrecke.

Für uns war indesssen erstmal Pause angesagt.

Wenig später auf dem Weg tauchte dann auch dieser bunte Kerl auf, beobachtete aufmerksam von seinem Sonnenfelsen aus, was diese beiden einsamen Wanderer denn da so anstellen, ließ sich aber auch nicht aus der Ruhe bringen, als wir ziemlich nah heran kamen.


Weiter ging es dann unserem eigentlichen Ziel entgegen – dem Malteserkreuz.



Über die Jahrtausende hat die Erosion diesem einst riesigen Felsen so zugesetzt, dass jetzt nur noch dieses bizarre Gebilde übrig ist. Der Wechsel von heißen Tagen und kalten Nächten, extremen Temperaturen im Sommer und Frost im Winter haben überall in den Zedernbergen deutliche Spuren hinterlassen. Dieser Felsen mit einer Höhe eines vierstöckigen Hauses steht allerdings wirklich spektakulär im Nichts.
Wandern in den Weiten Südafrikas ist wirklich ein anderer Schnack als in Europa. Erstmal trifft man wirklich keine Menschenseele, Mobilfunk gibt es meist auch nicht. Wegweiser und Markierungen auf Wanderwegen sind völlig unbekannt. Nur gut, dass ein so gut ausgelatschter Pfad uns ans Ziel unserer ersten Wanderung führte.
Auf dem Rückweg trafen wir dann noch einen Kumpel der Eidechse vom Hinweg. In jedem Fall haben sie es drauf, sich in der Landschaft zu positionieren.
Es gab aber auch verborgenere Überraschungen. Etwa diese grelle Blüte in einem völlig leblos wirkenden Gestrüpp.
Auf den ersten Blick mutete alles völlig ausgetrocknet und lebensfeindlich an. Doch fielen uns immer wieder grüne Flecken und Streifen in dem ansonsten von Braun- und Grautönen dominierten Landschaftsbild auf. Bei näherem Hinsehen gab es sogar einige wenige Bäche, die sich ihren Weg durch Felsspalten suchten, die die Landschaft durchziehen. Echte Feuchtbiotope also…
Und das in dieser Gegend.
Insgesamt eine herrliche Wanderung mit ersten Eindrücken von der unglaublichen Weite dieses Landes. Nun hätte ich ja fast den Roibos vergessen. Tatsächlich ist die Region der Zedernberge die Heimat des Rooibostees. Die Pflanze kommt nur hier natürlich vor und wird auch nur in dieser Gegend rund um Clanwilliams und Citrusdal angebaut. Da kann man sich schon die Frage stellen, ob wirklich alles, was als Rooibos verkauft wird, auch wirklich Rooibos ist…






