Candi Prambanan
Asia, Travel architecture, art, Hinduism, Indonesia, Java, religion, world heritage, Yogyakarta
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Heute galt es, zuerst einen zweirädrigen fahrbaren Untersatz für die nächsten Tage zu finden und zu mieten. Glücklicherweise gestaltet sich das hier höchst unbürokratisch und auch noch sehr günstig. Die Strecken, die wir noch in und um Yogya vorhatten und die anschließende Überlandtour wollten wir weder zu Fuß noch mit öffentlichen oder Taxis unternehmen.
Die Anmietung dauerte dann doch etwas länger als erwartet, und wir waren erst am sehr späten Vormittag auf Rädern unterwegs. Nun hieß es erst einmal, sich zu akklimatisieren mit dem Motorrad, dem Verkehr und vor allem den 37 Grad – unter dem Helm bestimmt 50! Nach 25 km in Richtung Nordwesten stand uns der Sinn dann wenig nach Besichtigung einer Weltkulturerbestätte ohne jeglichen Schatten und mehr nach einem Imbiss und einem Getränk. Wir vertagten die Besichtigung also auf den Nachmittag. Bis wir allerdings in einem geöffneten Restaurant saßen, das uns zusagte, hatten wir gefühlt mehrere Kilometer zu Fuß zurückgelegt…

Die heute unter dem Namen Candi Prambanan bekannte religiöse Stätte ist der größte hinduistische Tempel Indonesiens und der zweitgrößte ganz Südostasiens – nach Angkor Wat in Kambodscha. Mitte des 9. Jahrhunderts geweiht blieb die aus insgesamt 240 Gebäuden bestehende und Brahma, Vishnu und Shiva gleichermaßen gewidmete Tempelanlage nur etwa 80 Jahre in Betrieb und diente als Staatstempel. Waum dann schon Schluß war, ist unbekannt. Gemutmaßt wird der Einfluss eines Ausbruchs des nahen Vulkans Merapi im Jahr 1006 ebenso wie interne Herrschaftsstreigkeiten des Königreichs Matarm, dass sich mit dem Bau des Tempels vom Buddhismus abgewendet hatte und dann nur 80 Jahre später die Hauptstadt verlegte.

Das endgültige Ende als Kultstätte ereilte den Komplex im 16. Jahrhundert, als die Gebäude aufgrund eines verheerenden Erdbebens zum größten Teil einstürzten. Die Existenz des Trümmerbergs blieb der lokalen Bevölkerung immer bekannt, aber ihre einstige Bedeutung und sogar ihr Ursprung verblassten über die Generationen.

1733 wurde ein Angestellter der Dutch East India Company, die sich über zwei Jahrhunderte hinweg das heutige Indonesien einverleibte, auf die ruinen aufmerksam, und 1811 während eines britischen Intermezzos ein Landvermesser in den Diensten Sir Stamford Raffles‘. Letzterer befahl die Freilegung der Ruinen, was es dann allerdings im späten 19. Jahrhundert den niederländischen Kolonisatoren erlaubte, Statuen und Reliefs als Gartendekorationen abzutransportieren, und die lokale Bevölkerung zum Recycling der Fundamente anregte.

Versuche eines Wiederaufbaus wurden 1918, 1930 unter der niederländischen Kolonialherrschaft und dann ernsthaft erst 1949 nach dem indonesichen Freiheitskampf und der Staatsgründung unternommen. Der Methode der Anastylosis folgend dauerte es bis 1993, bis die drei Hauptheiligtümer aus den Trümmern wiedererstanden waren. Dabei werden alle verstreuten Einzelteile nummeriert und in einem riesigen 3d-Puzzle wieder zusammengesetzt, sofern noch mindestens 75% der Bestandteile auffindbar sind. Da es sich insgesamt um 240 einzelne (zwar meist kleinere) Gebäude handelte und nach Abschluss der Restaurierungen der Hauptgebäude die Wiederherstellung eines kleineren etwa 5-12 Monate in Anspruch nimmt, wird man noch weitere 200 Jahre bis zur weitgehend vollständigen Wiederherstellung der einstigen Pracht benötigen. Wenn kein Erdbeben dazwischen kommt…

Ende 2019 – nach unserem Besuch – wurde das bereits seit 1991 zum Weltkulturerbe zählende Tempelensemble mit einer Reinigungszeremonie wieder zu einem vollwertigen hinduistischen Tempel geweiht. Vermutlich erwartet man sich davon einen noch größeren Zustrom indischer zahlungskräftiger Touristen… Die bildeten auch schon Ende Oktober 2019 die größte Gruppe der insgesamt nicht wirklich zahlreichen Besucher.
Die Reliefs, die sich auf den Mauern der Gebäudesockel rund um die Tempelgebäude herum erstrecken, geben in erster Linie Szenen des Ramyana wieder, also der Geschichte von rama und seiner Frau Sita, die vom Dämon Ravana nach Lanka entführt wird und unter Einsatz des Affenheeres unter dem Feldherrn Hanuman nach epischen Irrungen und Wirrungen befreit werden kann. Kriegsszenen sind also an der Tagesordnung.


Beim nächsten Bild dürfte es sich um das Affenheer handeln, das sich aufmacht, für die alles entscheidende Schlacht die Meerenge zwischen Südindien und Lanka zu überqueren (Tamil Nadu und Sri Lanka nach der heutigen Terminologie).

Zwischen diesen Bildergeschichten finden sich immer wieder auch Löwen (Sinha), die von wunscherfüllenden Bäumen mit je einem symbolischen Tierpaar darunter eingerahmt sind. Auch Devatas, weibliche niedere Schutzgöttinnen, sowie Lokapalas, die sowohl im Hinduismus als auch im tibetischen Buddhismus als Schutzgottheiten der neun Hauptrichtungen der Welt fungieren, finden sich.



Der Sonnenuntergang ist mystisch!
