
Dies wird vorerst der letzte Eintrag aus Guangzhou sein, denn ein paar andere Orte der Asienreise im Sommer warten noch in der Pipeline, obwohl der Asienaufenthalt nun schon wieder mehr als einen Monat zurück liegt.
Guangzhou hatte nie sehr viele herausragende historische Sehenswürdigkeiten zu bieten. Dazu entwickelte sich die Stadt in den letzten 150 Jahren wohl zu dynamisch. Und nach Guangzhou kommt ja auch praktisch niemand der Kultur wegen. Hier regiert die Wirtschaft, der Handel.

Eines der wenigen historischen architektonischen Ensembles, das von den Verbesserungen der letzten zehn bis zwanzig Jahre verschont blieb, ist der Ahnentempel der Familie Chen. Anders als beispielsweise im Falle des Tempels der sechs Banya Bäume (Liu Rong Si) blieben die Gebäude von Abriss und „schönerem“ Neubau verschont und wurden nur recht behutsam renoviert. Die Ausstellungsstücke im Innern des in seiner aktiven Zeit auch als konfuzianische Schule für die Vorbereitung des männlichen Klannachwuchses auf die Beamtenprüfungen des chinesischen Kaiserreiches dienenden Komplexes sind eher langweilig und zweitrangig. Die architektonische Hülle ist in diesem Fall das Wesentliche.

Insbesondere die Dächer sind eine nähere und eingehende Betrachtung wert, die aber leider nur mittels Teleobjektiv oder Fernglas zu realisieren ist. Neben mythischen Darstellungen, Opernszenen, konfuzianischen Geschichten und dergleichen mehr finden sich hier natürlich auch die üblichen Symbole für den gewünschten und hier auch zur Schau getragenen Reichtum des Klans. Oben sind es die Überfluss signalierenden Fische, aber auch Drachen dürfen nicht fehlen.

Obwohl als Kulturgut ersten Ranges geschützt, ist der Ahnentempel der Chens durch die Stadtentwicklung der letzten Jahrzehnte gefährdet. Das Straßenniveau rund um den Tempel ist immer weiter erhöht worden. Das führt angesichts der inzwischen komplett versiegelten städtischen Umgebung dazu, dass sich das Wasser der nicht selten starken Regengüsse in der Vertiefung rund um den Tempel sammelt und den Gebäuden immer mal wieder nasse Füße beschert.