Renaissance Garten Nummer 7 auf dieser Reise! Es ist der letzte, der kleinste und auf den ersten Blick unspektakulärste. Auf den ersten Blick.
Nach seiner Wahl zum Papst im Jahr 1458 wollte Pius II. in seinem toskanischen Heimatörtchen Corsignano, dem heutigen Pienza (Stadt des Pius!) nicht nur eine Sommerresidenz errichten lassen. Der gesamte Ort sollte umgestaltet werden. Nicht weniger als die ideale Stadt der Renaissance sollte hier entstehen. Der zentrale Platz mit Dom, Bischofspalast, Palazzo Communale und der päpstlichen Sommerresidenz, dem Palazzo Piccolomini wurde fertiggestellt, alle weiteren Pläne wurden jedoch gemeinsam mit Papst Pius II. und seinem Baumeister Bernardo Rossellino schon 1464 beerdigt. Was bis dahin gebaut war, hat immerhin für den Status als Weltkulturerbe gereicht.
Der Palazzo Piccolomini, Pius‘ geplanter Sommersitz und Teil des idealstädtischen Ensembles, begrenzt mit einem Teil seiner Fassade den zentralen Platz im Westen. Östlich schließt sich der Dom an, der den Platz so südlich begrenzt und aufgrund der Lage beider Gebäude direkt am südlichen Hang von Pienza letztlich eine deutlich kleinere Grundfläche aufweist als die päpstliche Villa!
Da nur ein ein Teil der Fassade des Palazzo vom Hauptplatz sichtbar ist, wirkt er zunächst unscheinbar. Man betritt ihn durch ein Portal an der Nordostecke und gelangt in einen von Säulengängen gesäumten quadratischen Innenhof, der verschiedentlich als Drehort für Historienfilme diente.

Wendet man sich nach links, so erblickt man den Durchgang in den Garten des Palazzo.


Der Garten selbst, der erst seit 1910 in seiner heutigen Form mit Buchs und Lorbeer bepflanzt ist, ist klein und intim. Aber er hat es in sich. Errichtet wurde er als hängender Garten über dem Abhang zum Val d’Orcia. Unterhalb der auf großen Gewölbebögen ruhenden Gartenterrasse fanden Kutschen und Pferde Platz.
Von all dem ist im Garten selbst natürlich nichts zu sehen. Die Seite zum Tal hin beschließt eine hohe von Efeu bewachsene Mauer, die den intimen Charakter des Gartens noch verstärkt. Öffnungen mit Rundbögen eröffnen jedoch einen spektakulären Rundblick.
Ein ganz anderes Gartenerlebnis bietet dann allerdings der Blick aus der Loggia im Piano Nobile. Der Garten scheint sich ohne sichtbare Begrenzung in die große weite der toskanischen Landschaft zu öffnen. Das Orcia Tal scheint ebenso zum Garten selbst zu gehören wie die Monte Amiata in der Ferne. Die Renaissance Version heutiger Infinity Pools könnte man sagen…





