Während wir Pienza mit seinem Palazzo Piccolomini nur eine Stippvisite auf der Fahrt vom Latium in die Toskana abstatteten, machten wir nun Station in einem alten Gemäuer mit cooler Dachterrasse neben dem Stadttor von Castiglion Fiorentino, ziemlich genial gelegen mit Cortona, Arezzo, Anghiari, Monterchi and auch der Fattoria La Vialla in Reichweite.
Wie soviele alte Städtchen der Toskana strategisch auf einem Bergrücken gelegen, hat auch Castiglion Fiorentino einen Hauptplatz mit Loggia und herrlichem Blick ins Tal, und eine veritable Burg krönt den Ort. Ansonsten gehört Castiglion offenbar noch ganz überwiegend den Einwohnern, obwohl das von amerikanischen Touristen überlaufene Cortona wirklich sehr nah ist.
Der Mann auf der „Flucht“ auf dem Foto oben wollte das Foto nicht stören. Dabei sollte er doch Teil meines Motivs werden… Und in den aus der Zeit gefallenen Friseursalon hier (unten) verirrt sich so leicht bestimmt keine Touristin.

Im Großen und Ganzen war Castiglion für uns nur der Ort für einen abendlichen Aperitivo auf der Terrasse und Schlafplatz. Hauptsächlich hatten wir Arezzo im Sinn, und dort zunächst einmal die Casa Vasari, den Familiensitz von Giorgio di Antonio Vasari. Dieser spätgeborene Maler und Architekt (in den Diensten der Medici) der Renaissance ließ das Haus nach eigenen Plänen bauen und sorgte selbst für die malerische Ausgestaltung – hier z.B. im Raum des Triumphs der Tugend.




Im Zentrum der Deckengestaltung dieses repräsentativen Saals realisierte Vasari in einem achteckigen Gemälde allegorische Darstellungen von Tugend, Glück und Neid. In den Kassetten, die das zentrale Deckengemälde einrahmen, befinden sich Darstellungen der vier Lebensabschnitte eines Menschen von der Kindheit bis zum Alter.
Die Ironie der Geschichte ist, dass Vasari nicht für seine Malerei oder als Architekt (immerhin geht die Fassadengestaltung der Uffici mit auf ihn zurück und vor allem der Corridoio Vasarian zwischen Palazzo Vecchio und Palazzo Pitti) Berühmtheit erlangte. Vielmehr als Begründer der Kunstgeschichte mit seinen Biografien der Renaissancekünstler vor ihm.
Ab Mitte des 16. Jahrhunderts gestaltete Vasari den Raum Abrahams, benannt nach dem zentralen Deckengemälde, auf dem der Christengott Abrahams Nachkommenschaft segnet.
Einige seiner Figuren wirken – von der seltsam anmutenden Mode einmal abgesehen – schon fast modern.
Auch die Kirche Santa Maria Nuova unterhalb der Altstadt von Cortona ist ein Werk Vasaris.



