Das allerheiligste Heiligtum auf Bali ist der Pura Penataran Agung Besakih, zentraler Tempel einer Anlage von insgesamt 23 Tempeln und Schreinen, die sich auf knapp 1000 m Höhe an der Südwestflanke des Hauptvulkans Balis Gunung Agung um das Allerheiligste herum gruppieren. Alle Herrschergeschlechter Balis besitzen hier noch heute ihre eigenen Schreine und Privattempel. Und es vergeht wahrscheinlich kein Tag im Jahr, an dem hier nicht irgendeine Zeremonie stattfindet.

Auch hier geht man davon aus, dass dieser Ort auch in vorhinduistischer Zeit schon als heilig galt. Man nimmt an, dass die Ursprünge als des Heiligtums bereits im Megalithikum zu suchen sind. Als Hinduheiligtum dient der Tempelkomplex seit der Eroberung Balis durch hinduistische Invasionsarmeen im Jahr 1284. Im 15. Jahrhundert wurde er zum Staatstempel der Gelgel Dynastie. Während eines Ausbruchs des Agung im Jahr 1963 wäre die Tempelanlage beinahe zerstört worden. Das Verhängnis ging beinahe im Wortsin um Haaresbreite an dem Tempel vorbei (naja, es waren ein paar Meter).

Im Zentrum der Verehrung steht die balinesische Variante der Trimurti, der Einheit der Götter Brahma, Vishnu und Shiva. Nach allem, was ich an spärlichen Informationen zu Tempeln und Religion auf Bali gelesen habe, scheint die Anbetung der Dreiheit eher die Regel zu sein als Tempel nur einem dieser Götter zu widmen. Aber es ist wirklich erstaunlich, wie rudimentär und oberflächlich die Informationen über alle möglichen Aspekte von Kultur, Religion und Gesellschaft im Allgemeinen und in Bezug auf die Sehenswürdigkeiten ausfallen, die man in den vielen (Reise)Büchern über Bali findet.

Schon die eine ältere Pagode in eindeutig chinesischem Baustil irritierte uns. Aber die neue im Bau tat dies noch mehr. Es war auch nicht herauszukriegen wer und warum man dieses Bauwerk in diesem fremdartigen Stil und nun auch noch in typisch chinesischem Rot in Auftrag gegeben hatte. Geld regiert die Welt?

Eindrucksvoll ist die Anlage und lohnt den Besuch in jedem Fall, auch wenn unser Motorroller bei der langen und steilen Fahrt bergauf fast verreckt wäre und anschließend auch in der Ebene (wovon es im Innern Balis nicht viel gibt) kaum mehr 25 km/h machte. Die Spende, die uns für eine Führung abverlangt wurde, ist wohl nicht ganz legal… Und die „Führung“ dient wohl auch mehr dazu, dass man sich als Ungläubiger nicht irgendwohin verirrt, wo man nicht hingehört. Das eigentliche Wachpersonal entspannt sich derweil.







