Art Deco im Stadtstaat
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Waren es in der Vergangenheit vor allem die typischen chinesischen Häuser im südostasiatischen Stil, die zu Zwecken der Identitätsstiftung und als Touristenattraktionen restauriert und herausgeputzt wurden, so hat Singapur erst vor wenigen Jahren den Wert der baulichen Zeugen jüngerer Epochen entdeckt.

Ganz hoch im Kurs stehen derzeit die Gebäude der singapurianischen Art Deco Phase. Ganze Ensembles wurden renoviert und deutlich aufgewertet. Die architektonische Qualität ebenso wie das menschliche Maß der Gebäude zieht inzwischen immer mehr zahlungskräftige junge Mieter und Besitzer dorthin, wo vor nicht allzu langer Zeit noch Studenten und (Lebens)künstler dominierten – sofern man in einem derartig stark reglementierten und kontrollierten Gemeinwesen wie Singapur überhaupt in solchen Kategorien denken kann.

Besonders Tiong Bahru hat durch diese Entwicklung, die man wohl oder übel als Gentrifizierung bezeichnen muss, einen neuen Boom erlebt. Was einst als erstes großflächiges Sozialbauprojekt in der Geschichte des Stadtstaats in Äquatornähe geplkant und gebaut wurde, ist heute ein hippes junges Viertel mit hoher Lebensqualität und Identifikationskraft. Wo Sozialbauten aus der Frühphase nach der Unabhängigkeit als eine Neubewertung als Kulturerbe erfahren werden inzwischen auch Traditionsimbisse in derselben Kategorie gehandelt. Was früher für die Nachbarschaft eine einfache Garküche an der Ecke war, zieht heute besonders an Wochenenden Esser aus den entferntesten Winkeln der Stadt an und hat auch Eingang in Reiseführer für chinesische und taiwanesische Besucher gefunden.
