Wieder einmal unterwegs. Vom Jet Lag und dem langen Flug nach San Francisco geplagt. Seit vier Uhr morgens wach und eine Stunde später auf den Beinen. Was fängt man an mit einem langen sonnigen Tag? Wenn dann noch ein arg geschwollenes und schmerzendes Knie hinzu kommt, ist eine sitzende Tätigkeit angesagt 😉
Auf zum Bus Nummer 10 Golden Gate Transit und nach langem Warten über die berühmte Brücke nach Sausalito. In diesem nördlichen Vorort hat Otis Redding seinen berühmten Song geschrieben. Dabei hat er wohl auf einem solchen Hausboot gesessen…

…und die Aussicht über die Bay nach San Francisco genossen.

Hausboote gibt es hier in der Richardson Bay schon seit Mitte des 19. Jahrhunderts. Einen besonderen Boom hat diese Art zu wohnen aber nochmal in den 60ern und 70ern bekommen, als die Marineanlagen hier aufgelöst wurden und Blumenkindern und Aussteigern aller Art Platz machte. Dabei entstanden zum Teil außergewöhnlich gewagte Hausboote und Bootshäuser. Etwa ein in typisch amerikanischer Leichtbauweise in Holz ausgeführter verkleinerter Nachbau des Taj Mahal…
Was einst Aussteigersiedlung war, ist heute meist privilegiertes Wohnen mit allen Annehmlichkeiten. Fast alle haben Kajaks, viele auch Motorboote, und viele der schwimmenden Häuser haben mit Hausbooten nichts mehr gemein.
Sitzende Beschäftigung in Sausalito heißt Paddeln – mit einigen Begegnungen der besonderen Art.
Was zuerst wie ein Ententeich begann, wurde nachher bei auffrischendem Wind doch eine richtige Seekajaktour, und ich war froh, dass ich in einem Valley und nicht auf einem der Sit-on-tops saß, die man hier wie überall den Ungeübten gibt. Diese Badewannen liegen mit Sicherheit ruhiger auf dem Wasser, aber einmal runtergefallen kommt man auch nicht so einfach wieder drauf. Obwohl das Wasser auf der zweiten Hälfte meiner Tour ganz schön kabbelig war und ich auch gehörig nass wurde, hatte ich auch ganz ohne Skeg und Steuer keinerlei Probleme – aber einen Heidenspaß.

Golden Gate zeigte sich nachmittags im Gegenlicht noch einmal von der besten Seite.

Auch in Chinatown landete ich unbeabsichtigt in dem kleinen „Café“, das hauptsächlich von Männern aufgesucht wird, die im Glücksspiel das große Geld machen wollen. Auf einem Bildschirm läuft etwas, was sich am ehesten als Mischung zwischen Lotto und Bingo beschreiben lässt. Wer auf dem gekauften Zettel eine bestimmte Anzahl von Zahlen findet, die auf dem Bildschirm erscheinen, kann den Einsatz wieder zurück holen oder auch den großen Wurf landen. Bei meinem Milchtee fühlte ich mich wie in einer kleinen Spelunke im dunkelsten Teil von Mongkok in Hongkong…
Da man unter Chinesen auf der Suche nach Essbarem nie schief liegen kann, wenn man die goldene Regel beherzigt, sich immer der längsten Schlange anzuschließen, hatte ich als Abendessen Shaomai und Chashao Bao to go begleitet von einer kalten Flasche Bier.
Morgen beginnt für mich die Konferenz. aber ein paar Orte werde ich mir schon noch ansehen, auch wenn das Wetter sich zum Wochenende dramatisch verschlechtern soll: Fisherman’s Wharf, Pier 39, Ghirardelli Square, San Francisco MoMa, …
