Unzählige Male haben wir auf unserem Weg von oder zu einem Zielort in Asien einen Zwischenstopp in Singapur eingelegt. Böse Zungen behaupte, wir täten das nur des Essens wegen. Aber das stimmt nicht, keineswegs statten wir diesem Stadtstaat nur wegen des Essens einen Besuch ab, wann immer es sich anbietet. Denn auf jedem unserer vielen Besuche der letzten 20 Jahre haben wir hier etwas Neues entdeckt; und die Stadt macht wie jeder lebende Ort ja auch einem kontinuierlichen Wandel durch, erfindet sich immer wieder neu und besinnt sich auf Neues wie Vergangenes.
Hier soll es nun um Religiöses gehen. Das große Bild am Anfang bemüht eine kleine Fahrschule für die Straßenwerbung über ihrem Laden. Mit Buddhas Segen Autofahren lernen könnte der zugehörige werbespruch heißen. Wie allerdings die in allen Farben leuchtende Ampel zu deuten ist, bleibt mir weiterhin verborgen.
Bilder wie die nachfolgenden sind da, ebenso wie Abbildungen ganzer Reihen von todrenovierten Shop Houses im China Town, schon bekannter für Singapur.



Diese historischen Gebäude zwischen den modernen Wolkenkratzern sind dann sowohl „heritage“ als auch aktive Gotteshäuser.
Mitten drin im quirligen Bugis kann man mit viel Glück vor dem historischen Guanyin Tempel sogar solche Szenen sehen:

Singapur ist zwar bekannt dafür, dass ethnische Chinesen (Han) friedlich mit Malayen und Indern zusammen leben. Aber dass ein offensichtlicher Sikh Räucherstäbchen für Guanyin verbrennt, ist keineswegs alltäglich.
Eine schöne Entdeckung war auch der gut überwachte daoistische Unsterblichkeitspfirsich auf der Umfassungsmauer des buddhistischen Guanyin Tempels…

In der Gegend um diesen Tempel herum blühte aber vor allem die kommerzielle Ausschlachtung religiösen Aberglaubens.

Wer hier den zukünftigen Buddha streicheln darf, hat dafür zuvor in dem zugehörigen Geschäft (Tempel?) bezahlt und erhofft sich nicht Erlösung im Nirvana sondern vielmehr einen reichen Geldsegen. Ist das noch buddhistisch? Für Chinesen durchaus. Und was Maitreya für Chinesen ist, leistet Ganesh für die Inder…
Auch die segensreiche Goldfolie auf Buddhas Gesicht muss im zugehörigen Geschäft erstanden werden.
Und wo man im chinesischen kulturkreis Buddha anbetet, sind Wahrsager, Hand- und Gesichtsleser und andere Scharlatane nicht weit.
Selbst die ärztliche Behandlung mit der Eßstäbchen-Therapie darf hier nicht fehlen. Prosit – es möge nützen.




