Arezzo hat natürlich auch ein paar ganz normale (oder eher nicht?) Museen zu bieten. Darunter auch das Museo Archeologico Nazionale Gaio Cilnio Mecenate. Dieses Museum beschert dem ambitionierten Kulturtouristen eines der schrägsten Museumserlebnisse, die man sich vorstellen kann.
Das fängt schon an mit einem verwirrenden Blick auf die Öffnungszeiten:
Giorni, orari di apertura e modalità di ingresso
Martedì mattina ore 9.00 – 10.30 – 12.00
Giovedi pomeriggio ore 14.30 – 16.00 – 17.30
Venerdì mattina ore 9.00 – 10.30 – 12.00
Sabato pomeriggio ore 14.30 – 16.00 – 17.30
Dann liest der Kulturbeflissene auch noch folgende Einschränkung:
Ingresso max 15 visitatori per turno.
Und wundert sich.



Nein, das Museum ist keine Chimäre. Es existiert aus Stein, Glas und anderen Baustoffen – so wie man sich gemeinhin ein, wenn auch etwas altmodisches, Museum vorstellt.
Auf das Rätsel der Öffnungszeitenangesprochen hatte eine kundige Ortsansässige gut zu tun uns aufzuklären: Wer tatsächlich Einlass begehrt, bekommt diesen in normalen Zeiten tatsächlich auch gewährt – Dienstag, Donnerstag, Freitag und sogar Samstag, jeweils pünktlich zu den genannten Zeiten, nach Voranmeldung und gemeinsam mit maximal 14 weiteren museal Interessierten.

Da der italienische Staat zum Zeitpunkt unseres Aufenthalts in Arezzo – so die Erklärung der Eingeborenen in der Casa Vasari – besonders klamm war, waren es keine normalen Zeiten. Und so hatte man die Besuchszeiten auf noch weniger Tage und jeweils einen Termin am Vormittag und einem am Nachmittag zusammengestrichen.
Von selbstbestimmtem Museumsbesuch im eigenen Tempo konnte dann auch nicht die Rede sein. Am verschlossenen Eingang von einem Bediensteten in Empfang genommen wurden wir zusammen mit den anderen 13 Kulturbürgern, die sich nicht abschrecken ließen, im Schweinsgalopp durch die Stockwerke des Gebäudes und die zeitlich-thematisch geordneten Ausstellungsräume geführt. Keine mündliche erklärung, kaum eine Beschriftung (in italienischer Sprache), aber zunehmend bösen Blicken für jede intensivere Betrachtung eines historischen Objekts und jede Verzögerung durch Fotografieren…
Nach gut einer Stunde war dieses in mehrfacher Hinsicht einmalige kulturelle Erlebnis auch schon Vergangenheit, die Besuchergruppe draußen vor dem Tore und selbige wieder fest verschlossen, auf dass niemand auf die Idee käme, die museale Ruhe außer der Reihe zu stören.
Dabei hat dieses Museum mit seinem extravaganten museumspädagogischen Besuchskonzept außer Chimären und der ein oder anderen Kuriosität durchaus einiges zu bieten.
Da sind z.B. die aus Ton hergestellten Götterköpfe in Miniaturform, gefunden 1918in einem Heiligtum aus der griechischen Zeit Arezzos im 1. und 2. vorchristlichen Jahrhundert (1. Etage, Raum II).
Die Ausstellungsräume VII und VIII in der ersten Etage warten mit Vasen bzw. deren Bruchstücken auf, die um das Jahr Null in drei großen, auf den Export in alle Welt (vom Rheinland bis nach Indien) Keramikmanufakturen in Arezzo produziert wurden. Auch diese Miniaturen bergen das ein oder andere interessante Detail…










