Xinjiang hatten wir hinter uns gelassen, die Wüste aber noch längst nicht. Auch Dunhuang ist schließlich heute noch eine relativ abgeschiedene Oasenstadt inmitten von Stein-, Geröll- und Sandwüsten.


Ein Ausflug mit samt Chauffeur angemietetem Wagen führte uns zu einem weiteren kleineren Zentrum von buddhistischen Höhlenklöstern. Etwa zweieinhalb Stunden Fahrt und gute 160 Straßenkilometer östlich von Dunhuang und nach der Überquerung zweier kleiner Gebirgszüge erwartete uns die Besichtigung der Yulin Höhlen, wie üblich in die Steilwände eines tief eingeschnitten Flusstals gehauen.


Wie bisher üblich bekamen wir auch hier nur einen kleinen Bruchteil der 41 Haupthöhlen überhaupt zu Gesicht, und selbstverständlich beinhaltete dieses Standardbesuchsprogramm nicht die künstlerisch wichtigsten Teile der Anlage, die ihre Blütezeit von der Tang-Zeit bis zum mongolischen Yuan-Reich hatte. So enttäuschend wieder einmal die Fachführung ausfiel, so eindrucksvoll waren doch die Fahrt durch die spätherbstlich, frühwinterliche Wüstenlandschaft und der Spaziergang durch die Schlucht.

In der Geröllwüste konnten wir bei weitgehend klarem Himmel erleben, wie sehr hier der Gesichtssinn für die Wahrnehmung auch weit entfernter Bewegungen und „Fremdkörper“ geschärft wird, ein Phänomen, von dem für viele Karawanen auf der Seidenstraße einst wahrscheinlich das pure Überleben abhing, wollten sie nicht Räubern in die Hände fallen.
Na, ist hier irgendetwas auffällig auf diesem Bild?

Nichts zu erkennen in der weiten Einöde? Gehen wir doch mal ein wenig näher heran.

Immer noch nichts? Oder vielleicht doch?! Also noch ein bißchen näher…

Erspäht?

Und auch unten am Fluss sind Kamele.
Versuchen wir es also gleich nochmal. Wo stecken die Kamele?
Ebenso wie man wirklich mehr wahrnimmt und auch noch in weiter Ferne Dinge oder besonders Lebewesen erspäht, wird man natürlich in solch einer Umgebung ebenfalls über sehr weite Entfernungen auch von anderen wahrgenommen. So blieb hier in der Leere der Wüste wahrscheinlich schon immer wenig verborgen, obwohl auch die Fähigkeit sich unsichtbar zu machen für feindselige Augen für die Händler der Seidenstraße sicher ebenso überlebenswichtig war.
Aber es scheint, nichts und niemand kann sich verbergen in der so typischen Yardan Landschaft.
Was hier nach sanften Hügeln aussieht ist betonhart. Erodiert über die Jahrtausende ist diese Landschaftsform wirklich unerbittlich, kein auch noch so kleiner Schatten, der am Tage Schutz vor der brütenden Sonne bieten würde, kein Versteck, um sich vor Staub- und Sandstürmen zu verkriechen, die hier jederzeit einsetzen können.
Und auch keinerlei Schutz vor der beißenden Kälte der Wüste, sobald die Schatten länger werden.
Umso wichtiger war es also, auch die Zeichen des Himmels richtig und vor allem rechtzeitig zu deuten. Wetterkunde in der Wüste, davon zeugen in Dunhuang neben buddhistischen Sutren und Kommentaren gefundene meteorologisch-phänomenologische Abhandlungen, die in Form uralter Handschriften wichtige Interpretationshilfen im Zuge der so gar nicht religiös verklärten oder esoterisch entrückten Himmelsbeobachtung durch die Fernreisenden waren.






