Yama und Co.
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Weiter gehen die Cham Tänze. Die nächste Steigerung erhält die lange Zeremonie durch den Auftritt des Totengottes Yama und der in der ländlichen Bevölkerung von Amdo extrem populären Göttin Magzor Gyalmo. Aber dazu später mehr. Zunächst betreten diverse animistische Schutzgottheiten mit einer langen vorbuddhistisch-tibetischen Geschichte auf, um da Feld für Yama zu bereiten.








Hier stürmt Magzor Gyalmo auf uns zu. Ihr Auftritt ist wie schon die Darstellung König Gesars an einer der Tempelmauern ein Zugeständnis an das einfache Volk Amdos. Magzor Gyaltso ist eine Emanation von Palden Lhamo, der Schutzgöttin dess Gelugpa Ordens, des Ordens von Sakya in Westtibet und aller Dalai Lamas und Panchen Lamas. Magzor Gyalmo alias Palden Lhamo ist die einzige Schutzgöttin unter den ansonsten männlichen Dharmapalas und auch die einzige weibliche Gottheit, die eigenständig und nicht nur als Gefährtin in tantrischer Vereinigung mit einem mächtigen Gott, dargestellt wird.
Ihr Partner ist Mahakala (auf Tibetisch Gönpo), im Hinduismus eigentlich eine Bezeichnung von Shiva, die besagt, das dieser alle Zeiten von Vergangenheit bis Zukunft in sich vereint und diese und damit auch den Tod transzendiert. Im tibetischen Vajrayana ist Mahakala zu einer Schutzgottheit vierten Grades degradiert.
Auch Magzor Gyalmo als Emanation von Palden Lhamo hat eine hinduistische Vergangenheit, ist sie doch die zornige Erscheinungsform der friedvollen und erleuchteten Saraswati alias Shri Devi. Beide, Palden Lhamo und Magzor Gyalmo, sind erkennbar an den Sonnen- und Mondscheiben, die ihre Attribute sind.

Nun kommt auch Yama, der mächtige Totengott, ins Spiel.
Yama als Dharmapala ist eine der zentralen Figuren vieler Cham Tänze. Im gemeinsamen Auftritt mit Magzor Gyalmo entfaltet er hier für die Pilger aus Amdo eine wahrhaft unbezwingbare Schutzmacht.
Von Yama heißt es in der tibetisch-buddhistischen Mythologie es habe sich bei ihm um einen buddhistischen Mönch gehandelt, der nach einer 50 Jahre währenden Meditation in einer abgelegenen Höhle unmittelbar vor der Erleuchtung stand, als zwei Räuber ausgerechnet in seiner Einsiedlerhöhle einen gestohlenen schwarzen Stier töteten und dessen Kopf abtrennten. Als sie bemerkten, dass sie nicht allein waren und der Mönch Zeuge ihres tuns geworden war, köpften sie auch diesen ungeachtet seines Flehens, ihm seine kurz bevorstehende Erleuchtung erleben zu lassen.
Außer sich vor Wut über die so verhinderte Erleuchtung suchte der geköpfte Mönch nach seinem abgetrennten Kopf, um Rache zu nehmen (letztlich zeigt dieses niedere Gefühl, dass er nicht bereit war für Erleuchtung). Er bekam aber nur den Rinderkopf zu fassen und setzte sich diesen auf die Schultern, um sehenden Auges die Störenfriede zu töten. In seinem Zorn verschlang er Fleisch und Organe der Räuber und trank deren Blut aus Bechern, die er aus ihren Hirnschalen gefertigt hatte. Aus der Genugtuung über das blutrünstige Ausleben seiner Wut war Yama geboren, der stierköpfige Totengott, der von nun an als mordender Kannibale durch Tibet zog und Angst und Schrecken verbreitete.
Die verängstigten Tibeter wandten sich an Manjushri, den Boddhisattva der Weisheit, der dem treiben Yamas ein Ende bereitete. Er schuf eine Kreatur mit nicht nur einem, sondern neun schwarzen Stierköpfen, 16 Beinen und 34 Armen, die er in den Kampf mit Yama schickte. Als Yama diese Kreatur erblickte – eine Vervielfachung seiner selbst, erkannte er die unendliche Macht dieser Kreatur Manjushris und wusste, er sei geschlagen. Yama, der bis dahin blutrünstige Gott des Todes war zu Tode erschreckt. Sein Bezwinger wurde als Yamantaka bekannt – der, der den Tod überwindet. Der geläuterte Yama wurde zum Beschützer des Buddhismus und hat deshalb einen prominenten Auftritt in den Cham Tänzen. Mit dieser Erklärung kann zumindest der Volksglaube etwas anfangen, ohne in die hinter den Metaphern stehende komplexe philosophische Lehre Einblick zu haben.