Pingyao ist extrem touristisch. Wir waren gewarnt. Es erwies sich allerdings wie eigentlich schon auf der gesamten Reise als sehr vorteilhaft, dass wir erstmalig im Winter und noch dazu mit großem zeitlichen Abstand zu jedem nationalen Feiertag unterwegs waren.

Ich möchte mir gar nicht vorstellen, wie es hier zur Hauptreisezeit in einer der Goldenen Wochen aussieht… So war es sehr erträglich.

Während unseres Aufenthalts konnten wir im Großen und Ganzen auf die touristische Infrastruktur zurückgreifen. Ganz gleich, ob dies nun Geschäfte waren, die uns nicht wirklich interessierten…

…oder die Toilette im Innenhof, deren Benutzung für den Preis von einem Yuan hier von jemandem angepriesen wird, der offenbar ansonsten nicht im Tourismusgeschäft unterwegs ist. Auch von diesem Angebot mussten wir glücklicherweise nicht Gebrauch machen…

Heißer Sanddornsaft (Sanddorn stammt übrigens ursprünglich aus dem Himalaya und nicht von der Ostseeküste…) war angesichts der Kälte jedoch mehrfach täglich ebenso willkommen wie der heiße Cerealienbrei, der hier an einer Ecke verkauft wurde.

Diverse Restaurants waren geschlossen, und einige Imbisse wirkten auch nach mittlerweile Jahrzehnten intensiven Tourismus geradezu herzerfrischend ländlich improvisiert (zuvor war hier mal ein Optiker wie man an den Holztafeln sieht).

Die Touristengrüppchen, die auch jetzt die Stadt unsicher machten, waren harmlos und zahlenmäßig erträglich.

Ob diese farbenfrohen Damen schon zur Zielgruppe des Versuchs von Barrierefreiheit im Tempel des Stadtgottes zählten?

Einige Besucher trugen durchaus zur Atmosphäre des Ortes bei, der ohnehin zuweilen wirkte wie eine Filmkulisse.

Das touristische Treiben konzentrierte sich weitgehend auf die Kreuzung der beiden Hauptstraßen. Und in die Läden nur wenige Meter abseits verirrte sich selbst auf diesen Straßen kaum noch ein chinesischer Tourist.
In vielen Nebenstraßen lockten zwar hinter fast jeder Mauer Gästehäuser, aber Auswärtige waren kaum zu sehen.
Allerdings konnte man auch ganz außergewöhnlichen Gestalten begegnen,…
… bevor das Städtchen nach Einbruch der Dunkelheit in menschenleeren Tiefschlaf fiel.




