Auch das ist die Weltkulturerbestadt Pingyao. Selbstverständlich lebten in der Stadt auch in ihrer Blütezeit nicht ausschließlich reiche Banker. Je weiter man sich von der Touristenachse im Zentrum des Städtchens entfernt, umso einfacher werden die Wohnquartiere und umso ärmlicher die heutigen Lebensumstände.


Auch hier existieren Hofhäuser, die ursprünglich eine einzige Familie beherbergten und heute Heimstadt einer Vielzahl miteinander nicht verwandter Familien sind. Wie überall quartierten sich nach der Revolution hier Wohnungslose ein und blieben. Heute leben in solchen Behausungen die ärmsten Stadtbewohner, die sich moderne Wohnungen in den neuen Stadtvierteln nicht leisten können. Sind diese Quartiere erstmal zum Abriss vorgemerkt, ziehen meist Wanderarbeiter ein und bescheren den ursprünglichen Bewohnern noch für eine gewisse Zeit Mieteinnahmen, bis die Bauarbeiter buchstäblich das Dach über dem eigenen Kopf abreißen.


Mitunter wird ganz einfach dicht gemacht.

Dass die größten Bausünden der fühen Reformjahre irgendwann wieder rückgebaut werden, stört auch in der Weltkulturerbeaufsicht bei der UNESCO sicher niemanden.

Damit sieht es jedoch schon anders aus.

Immerhin ist damit zu rechnen, dass hier – wohl in veränderter Form – mit alten Baumaterialien wieder aufgebaut wird. Auch weit entfernt des touristischen Zentrums waren „Sanierungsprojekte“ im Gange. Wie in Beijing entdecken die Neureichen auch hier den Charme der alten Häuser als Wohnsitz oder Firmenzentrale. Solche Projekte führen zur endgültigen Veränderung der Sozialstruktur, weil auch die letzten ursprünglichen Einwohner, die hier noch dauerhaft leben, vertrieben werden. Die Investoren sind häufig jedoch selbst an Denkmalschutz interessiert, um den alten Charme zu erhalten. Schlimmer sind grundlegende Veränderungen an der Bausubstanz im Interesse der Tourismuswirtschaft. So werden vielfach riesige Fensterfronten eingebaut wo eigentlich traditionell geschlossene hohe Mauern die Hofhäuser von der Straße abschirmten. Das verändert den Charakter der Architektur so grundlegend, dass Pingyao irgendwann auf der roten Liste des gefährdeten Welterbes landen könnte.