Von Sirolo aus fuhren wir weiter nach Ascoli Piceno. Eigentlich hätten wir recht schnell dort sein können, wären wir einfach die Autobahn an der Küste weiter nach Süden gefahren und dann in Porto d’Ascoli rechts abgebogen ins Landesinnere. Da der direkte Weg nicht immer der beste ist, entschieden wir uns für einen riesigen Umweg über Umbrien, um die Schönheit der Sibillinischen Berge zu genießen. Je weiter wir nach Westen kamen, desto häufiger wurden auf dem ansteigenden Gelände herrlich blühende Felder.

Dazwischen sahen wir jedoch auch immer wieder Szenen, die uns mit tiefer Traurigkeit erfüllten. Das Titelfoto nahm ich in Norcia auf. Es zeigt, was von der Kirche übrig geblieben ist, die ich bei unserem ersten Besuch in diesem Städtchen 2014 abgelichtet hatte. Fünf Jahre später besteht die halbe Stadt aus unbewohnbaren und einsturzgefährdeten Gebäuden. Je näher wir auf der Weiterfahrt dem eigentlichen Ziel unseres Abstechers kamen, desto häufiger wurden wir Zeugen unbeschreiblicher Zerstörungen.
Zwischen Ende August und Ende Februar 2017 ereignete sich hier eine ganze Serie von Erdbeben. Das schwerste mit einer Stärke von 6,5 auf der Richter-Skala legte sowohl Norcia als auch den malerischen Bergort Casteluccio, den wir von unserem ersten Besuch 2014 in bester erinnerung hatten, in Trümmer. Über die Naturkatastrophe hinaus ist besonders deprimierend die Tatsache, dass mitten im reichen Europa zwei Jahre nach der Tragödie praktisch kein Anzeichen von Wiederaufbau zu erkennen war. Und dieser Eindruck verstärkte sich noch auf unserer weiteren Fahrt hinunter nach Ascoli Piceno. Wir kamen vorbei an weiteren völlig zerstörten Dörfern und Notunterkünften, die scheinbar zu Dauereinrichtungen zu werden drohten. Transparente zeugten überall vom Frust und der Wut der Bevölkerung.
Hier noch einmal der traurige Anblick von Casteluccio, bevor als Kontrast zu diesen traurigem Anblick dann die grandiose Schönheit der Landschaft des Piano Grande folgt.
Die traurigen Trümmer von Casteluccio erheben sich über der Ebene des Piano Grande, die Anfang Juni gerade erblüht – gelber Raps und lila Berglinsen. Das Leben geht irgendwie weiter.


Wer genau hinschaut, sieht die Schafe zwischen den lila blühenden Linsenfeldern.








