Loreto. Diesen Namen kannten wir aus Freiburg. Dort gibt es ein historisches Freibad, dessen Besuch der holden Weiblichkeit vorbehalten ist. Kleinlaut gestehe ich hier ein, dass der Name des Freiburger Schwimmbads die Assoziation mit Loretta am Wannsee weckte, nicht jedoch mit dem nach Rom wichtigsten christlichen Wallfahrtsort Italiens.
Hinauf geht es auf den Tempelberg mit der Basilika vom Heiligen Haus. Die Kuppel (siehe Titelbild) ist nur halb so groß wie die des Petersdoms in Rom… Aber immer langsam.



Die ganze Pilgerei hat nur ein Ziel: Das Elternhaus von Maria, das der Legende nach 1294 von vier Engeln getragen direkt aus Nazareth herbeigeflogen sein soll.

Heute steht das aus nur drei Wänden bestehende Haus direkt unter der großen Kuppel der 1468 begonnenen Basilika. Herbeigeflogen ist der Ziegelbau natürlich mitnichten. Vielmehr hat man seine wohl Trümmer wohl 1291 eingesammelt, nachdem es durch die muslimischen Eroberer zerstört worden war. Über mehrere Stationen kamen die Einzelteile dan nach Loreto, wo sie „originalgetreu“ rekonstruiert und ein paar Meter erhöht wurden, um dann eine Kapelle drum herum zu bauen. Archäologische Untersuchungen ergaben, dass es sich bei den alten Ziegeln wohl tatsächlich um Bauteile des an eine Höhle angebauten Gebäudes in Nazareth handeln könnte, das als Geburtshaus Marias und Kinderstube Jesus‘ schon früh zum christlichen Pilgerziel geworden war. Nun ist an die Stelle der Pilgerfahrt nach Nazareth die viel bequemere Loreto Wallfahrt getreten… Während unseres Besuchs waren wir fast allein. Auch die Marienverehrung unterliegt also saisonalen Schwankungen.
Das kleine Museum in dem Komplex beherbergt ein paar interessante Ausstellungsstücke. Etwa die Darstellung von Jesus mit der Ehebrecherin aus der Mitte des 16. Jahrhunderts. Die geilen Blicke der Umstehenden sind wirklich grandios. Jesus fand ich jetzt nicht so wichtig…
Auch der Engel der Ankündigung, den Antonio Mazzone dei Domenichi di Faenza ca. 1515 in Faenza in Öl gebannt hat, sowie das Pendant mit Mariechen, das so von ihrer bevorstehenden Schwangerschaft erfährt, vom selben Künstler sind nicht übel.
Wer bei dieser unschuldigen Majolika aus dem Besitz der italienischen katholischen Kirche gleich an neuzeitliche, ganz vereinzelte Übergriffe katholischer Würdenträger gegen Kinder denkt, sollte sich schämen. Und dann gibt es da natürlich auch noch eine der unzähligen Darstellungen des letzten Abendmahls.Während die Katze unter dem Tisch verspielt am Tischtuch zerrt, siehr das, was da auf der Tafel aufgetischt wird, einem bedauerlichen Artgenossen ziemlich ähnlich…





