Raus aus den Bergen und ran ans Thyrrhenische Meer. Eine gefühlt endlose Odysse auf der Suche nach einem annehmbaren, nicht überteuerten, nicht am nächsten Tag für das flächendeckende Ausräuchern gegen Moskitos vorgesehenen und – entscheidend in der Vorsaison – geöffneten Campingplatz am Meer… Uff. Aber wir haben doch noch einen gefunden. Die erste Reihe in der Seebrise und mit Blick auf den Strand war zwar von riesigen WoMos belegt, aber wir fanden dann doch ein sehr schönes und schattiges Plätzchen in der zweiten Reihe auf einem Platz in der Mitte zwischen Sperlonga und Terracina.
Ausspannen war angesagt, einen Tag lang auf dem Meer paddeln und dann ein Ausflug in eine durch und durch faschistische Stadt im ehemaligen Zentrum der Pontinischen Sümpfe. Klingt schrecklich? Ist aber halb so wild. Die Pontinischen Sümpfe ließ Mussolini 1930 trocken legen und siedelte dann Bauern aus dem Veneto und dem Friaul an. Ein Jahr später meinte der Duce, es müsse nun ein Verwaltungszentrum her und befahl – obwohl der reinen faschistischen Lehre nach antiurbanistisch bis auf die Knochen – die Gründung einer Stadt. Littoria wurde die Retortensiedlung bei der Grundsteinlegung genannt – symbolträchtig hergeleitet von den Liktorenbündeln (zusammengebundene Ruten, aus denen ein Beil herausragt; besser bekannt als fasces), die bei den Etruskern und dann auch bei den Römern Amtszeichen der höchsten Machthaber waren.

Brescias Stadtzentrum in der Lombardei ist bekannt für seine Architektur aus der Zeit des italienischen Faschismus und dabei durchaus sehenswert. Warum also nicht auch mal einen Blick in eine komplett nach der damaligen Ideologie in Rekordzeit gebaute Stadt werfen?

Nach dem Krieg und dem wenig ruhmreichen Ende des Faschismus gab man ganz schnell den kompromittierten Namen auf und benannte Littoria um in Latina, von Lazio, wo die Stadt auf achteckigem Plan ja auch liegt. Die Symbole und die Ästhetik der ehemaligen Ideologie sind aber auch heute noch gegenwärtig.


Ansonsten wirkt die Stadt – naja, modern, sachlich, schnörkellos…



Ambivalent.

