Zuerst gehörte sie den Benediktinern, dann den Zisterziensern, Kartäusern, Franziskanern. Goethe hat sie verpasst auf seiner Italienreise, und 1812 wurde aus ihr ein Stall für Wasserbüffel – es lebe der Mozzarella!

Aus heutiger Sicht war insbesondere diese vorletzte Episode der wechselvollen Geschichte der Abtei Fossanova ein Glücksfall. Denn auf diese Weise wurden alle Einbauten und Ausschmückungen, die die Kirche im Laufe der Jahrhunderte im üblichen barocken Überschwang gefüllt hatten, wieder entfernt, um so die ursprüngliche schlichte Schönheit der Architektur freizulegen. Den Wasserbüffeln und dem Königreich Neapel, das das Kloster 1810 aufgelöst hatte, sei Dank.

Im 9. Jahrhundert von Benediktinern gegründet, wurde die Abtei wahrscheinlich von Sarazenen zerstört. Im 12. Jahrhunderts erfolgte die Neugründung durch die Zisterzienser, nachdem zunächst um das Areal herum ein neuer Graben (fossa nova) zur Entwässerung des feuchten Grunds und zu Verteidigungszwecken ausgehoben worden war.

Die Abbazia di Fossanova ist heute italienisches Nationaldenkmal. Mit der Grundsteinlegung im Jahr 1163 wurde die erste Kirche Italiens im Stil der Gotik begonnen. Und die hat Goethe verpasst. Und auch heute verpassen sie wohl viele, denn ich war dort allein.

Wahrscheinlich wäre Goethe aber ohnehin das Wesentliche an der reduzierten Architektur der Zisterziensermönche entgangen, weil das Gotteshaus 1786-88 mit ziemlicher Sicherheit mit allem möglichen barocken Zeugs vollgestellt war…

Während die Zisterzienser des 12. Jahrhunderts sich aus ideologischen Gründen auf Dekorationen in Pflanzenformen beschränkten, waren zumindest menschliche Köpfe knapp zwei Jahrhunderte später bei der Erneuerung des Kreuzgangs kein Tabu mehr.


Ist Fossanova nun heute ein Nationaldenkmal, weil es die älteste gotische Kirche auf italienischem Boden ist? Oder liegt das daran, dass Thomas von Aquin hier am 7. März 1274 verstarb, als er von Neapel nach Lyon reisen wollte? Ist ja auch egal. Nach dem Ausflug ins faschistische Vorkriegsitalien war diese Zeitreise in die Gotik von Piverno erholsam.


