Halbzeit, also Startschuss für die Rückreise nach Norden. Schade, wann schaffen wir es wohl mal weiter nach Süditalien? Von unserem Campinplatz am Tyrrhenischen Meer machen wir uns in einem östlichen Bogen um Rom herum auf den Weg zum Lago di Bolsena im nördlichen Zipfel des Lazio und ganz nah dran an der Toskana und Umbrien.
Der östliche Schlenker um Rom herum führt dabei fast unausweichlich in die römische Sommerfrische Tivoli. Dort befindet sich seit fünfeinhalb Jahrhunderten hoch oben auf dem Berg ein prachtvoller Renaissancepalast mit Blick über einen riesigen Garten, der sich den Hang hinunter ins Tal zieht.

Ein Benediktinerkloster war dem Initiator von Palazzo und Giardino nicht standesgemäß genug. Kardinal Ippolito II d’Este ließ das Kloster schleifen und das Land auf Sichtweite ins Tal zu seinen Gunsten enteignen, als er 1550 Statthalter von Tivoli wurde.
Die Ironie der Geschichte ist allerdings, dass Ippolito diese Aussicht aus seinem protzigen Palast wohl nie genießen konnte.

Denn der politisch umtriebige Kirchenfürst wurde schon 1555 vom damaligen Papst wegen Korruption in die Wüste geschickt. Als er 1572 im Exil starb, stand der Garten in seiner Grundstruktur schon eine Weile, und der Palazzo war fast vollendet.

Die Gartenanlage wurde im Laufe der ersten 100 Jahre ihres Bestehens mehrfach umgestaltet und landete schließlich im Besitz der Habsburger, die sie bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts verkommen ließen. Est 1851 gab es einige Restaurierungsarbeiten im Auftrag eines neuen Besitzers. 1875 gelangten Palazzo und Giardino in die Hände des späteren österreichischen Thronfolgers und Mordopfers von Sarajewo 1914, Franz Ferdinand von Östereich-Este. Der Rest ist Weltkriegsgeschichte. 1920 wurde die Anlage verstaatlicht, renoviert und öffentlicher Park, 2001 Weltkulturerbe.

Besonders die Brunnenanlagen sind genial. Wenn man an einem heißen späten Vormittag im Frühsommer aus dem Palast hinabsteigt und den Weg zu der ersten großen Brunnenanlage findet, so wirkt das herabrauschende Wasser wie eine gigantische Klimaanlage im Freien.
Hinter dem Türchen in diesem protzigen Bauwerk, das die Hauptachse des Gartens an deren Ende im Nordosten beherrscht, verbirgt sich eine Spieluhr. Naja, es ist eine Wasserorgel, also eine über eine metallene Stiftwalze gesteurte und von Wasser angetriebene Orgel, die hier seit 2003 wieder auf 144 Orgelpfeifen zur vollen Stunde vier verschiedene Melodien spielt.
Von der Wasserorgel geht die große Sichtachse nach Südwesten hinunter.
Vom südwestlichen Ende etwas nach links kommt man an den Brunnen mit der Bezeichnung Fontana di Roma o Rometta, der Bezüge zum Gründungsmythos Roms herstellt.
Von dort geht man links vorbei an den Hundert Brunnen zurück zum zentralen Treppenaufgang zum Palast.
Bevor es jetzt aber ziemlich steil den Hang hinauf in den Palazzo geht, muss erstmal ein Übersichtsplan her.
Von außen ist der Palazzo eher unscheinbar – sieht man einmal von seiner schieren Größe ab.
Auf geht’s zu einer tour de force durch den italienischen Manierismus!


































