Keine halbe Autostunde von Viterbo entfernt befindet sich das nächste Ziel für alle Gartenbegeisterten. Der kleine Ort Vignanello zieht sich auf einem schmalen Bergrücken entlang, der seit 3000 Jahren fast ununterbrochen besiedelt ist.

In der heutigen Ortsmitte wurde 847 eine Burg errichtet, die wenig später zu einem Benediktinerkloster wurde. 1169 übergab Barbarossa die Herrschaft über den Ort an Viterbo, und die Benediktiner mussten gehen. 1228 wurde Vignanello von der Familie di Vico erobert, womit ein bis ins 16. Jahrhundert andauernder Streit um das Eigentum an Burg und Ort ausgelöst wurde. Beendet wurden diese Auseinandersetzungen zwischen Kirche und verschiedenen Adelshäusern erst, als der Medici-Papst Cemens VII Burg und Ort Beatrice Farnese Baglioni schenkte.
Wenige Jahre später gelangte Vignanello mit seiner Burg als Mitgift für Beatrices Tochter Ortensia im Zuge einer von Papst Paul III (ein Farnese) eigefädelten politischen Hochzeit in den Clan der Marescotti – bis heute. Bis 1704 firmierte die Burg unter dem Namen Castello Marescotti. Da sich der damalige Eigner entschloss, sich nach einem Zweig des Familienclans in Ruspoli umzubenennen, heißt es seitdem Castello Ruspoli.

Ortensia machte aus der Trutzburg einen Renaissance Palazzo. Treffend sind heute im Hof im Schatten hoher Bäume Hortensien gepflanzt.

Erdgeschoss und erste Etage des heute noch von den Eignern bewohnten Palazzo kann man besichtigen. Fotografieren ist in den Innenräumen jedoch nicht gestattet. Dafür bietet ihre website einen sehr gut gemachten Drohnenflug über das Örtchen, das Kastell, die Gärten – und durch die Innenräume. Wirklich sehenswert.
Gartenanlagen kamen jedoch erst 1611 hinzu, als Ottavia Orisini, die Tochter des Schöpfers des Heiligen Waldes von Bomarzo (auch nicht weit entfernt) nach Vignanello einheiratete. Da der Palazzo ja ursprünglich als Burg angelegt worden war und man bei seiner Umgestaltung den Burggraben bestehen ließ, musste der Renaissancegarten jenseits davon entstehen.
Die heutige Gartenanlage geht auf Umgestaltungen im Zeitalter des Barock zurück. Wo heute Buchshecken in geometrischen Formen wachsen, gab es einst Rabatten mit Lavendel, Rosmarin und anderen Kräutern. 1707 dürfte Georg Friedrich Händel hier lustgewandelt sein, als er zu Gast im Kastell war und gleich ein paar Kantaten per il Marchese Ruspoli komponierte.

An den ummauerten formalen Garten schließt sich eine lange Wiese an, auf der zwei parallel verlaufende Buchshecken den Eindruck der räumlichen Tiefe noch verstärken.

Diese Art der Gestaltung des Areals, das in einen naturnahes Wäldchen einmündet, dürfte modernen Datums sein.

Einer der schönsten Teile der Gartenanlagen schmiegt sich vom Castello aus gesehen rects etwa fünf Meter unterhalb des formalen Gartens an die Flanke des Bergrückens.
Dieser sogenannte Geheime Garten ist eine Neuschöpfung aus dem Jahr 1930. Man erreicht den heute etwas verwildert wirkenden Rosengarten über eine Treppe, die sich hinter einem unscheinbaren Türchen in der Umfassungsmauer des formalen Gartens versteckt.





