
Das soll er wirklich, denn nur dazu ist er gemacht! Aus Holz, Bambus, Pappmaché… Ogoh-ogohs heißen diese mehrfach überlebensgroßen Dämonenfiguren – wenn man bei Dämonen überhaupt von lebens- oder überlebensgroß sprechen kann.
Ogoh-ogohs symbolisieren die bösartigen Aspekte und Erscheinungsformen in der Natur von Lebewesen, ihre zeremonielle Verbrennung den Prozess der spirituellen Reinigung vor dem Beginn eines neuen Jahres. Grundlage: Hinduismus.
So werden die Dämonen wohl gemeinhin von dörflichen Jungendorganisationen gebaut – offensichtlich mit erheblicher Kreativität und Kunstfertigkeit. Um dann am Abend vor Nyepi durch die Straßen paradiert und abschließend verbrannt zu werden. Schade eigentlich.
An Nyepi, dem Tag der Stille, einem Tag zwischen den Jahren gewissermaßen (wohl immer so im März), geht dann auf Bali gar nichts mehr: Kein Verkehr, kein Radio, kein Fernsehen, kein Internet, kein Licht in den Straßen, keine Touristen am Strand, nichts! Absolute Stille hinter den Mauern der Anwesen und Furcht, diese mit irgendwelchen Lebensäußerungen zu durchbrechen und damit böses Karma oder Schlimmeres heraufzubeschwören, so schildert es unsere Informantin auf Bali.

Was so schön traditionell und archaisch hinduistisch daherkommt, die Ogoh-ogohs und deren rituelle Verbrennung, gibt es jedoch erst seit den 1980er Jahren.


Das Ogoh-ogoh Museum in Mengwi, aus dem die Fotos stammen, dürfte es eigentlich ja auch gar nicht geben. Aber andererseits hätten wir die Pappkameraden sonst Anfang November gar nicht zu Gesicht bekommen…
