Von Malang aus gab es nur die Möglichkeit, ein Auto mit Chauffeur zu mieten, um ins Zentrum des Bromo-Tengger-Semeru-Nationalparks zu kommen, wollten wir nicht endlose Zeit und mehrfaches Umsteigen in noch dazu nicht sehr zuverlässig fahrenden öffentlichen und teilöffentlichen Verkehrsmitteln riskieren. Nun dachten wir, wir würden auf direktem Weg direkt durch den Nationalpark fahren. Letztlich wurde die Strecke dann jedoch doppelt so lang, weil der Fahrer natürlich kein Eintrittsgeld berappen wollte (und wahrscheinlich auch die Straßen auf dem umweg besser und schneller zu befahren waren). Immerhin kamen wir auf diese Weise nach ein paar Stunden zum Ortseingang (auch hier hätten bei weiterer Anfahrt gebühren gedroht) von Cemoro Lawang, ein Dorf auf gut 2200 m ü.d.M. unmittelbar am Nordostrand der Tengger Caldera.

Hier mussten wir erstmal unsere Wintersachen herausholen, die wir vorsorglich mit im Gepäck hatten. Kein Witz: Dünne Daunenjacken, Fleece und lange Hosen waren angesagt, bevor wir uns am frühen Nachmittag an den Abstieg machten zum sog. Sandmeer aus Eruptionsasche, das diese größte Caldera Javas weitgehend ausfüllt und bereits seit 1919 unter Schutz steht.
Durch das Sandmeer marschierten wir vorbei an einem hinduistischen Tempel (das Volk der Tengger, das in dieser Region siedelt, ist hinduistisch-animistischen Glaubens) am Fuß des Vulkans Gunung Batok zum Fuß des aktiven Gunung Bromo. Von dort aus ging es über eine steile Treppe zum Kraterrand auf 2329 m.
Die jüngsten großen Ascheeruptionen des Bromo, dessen Name sich auf den hinduistischen Schöpfergott Brahma bezieht, waren 2016 erfolgt, und ein halbes Jahr vor unserem Besuch begann eine neue vulkanische Aktivitätsphase, die mit im Krater aufsteigendem Rauch gut erkennbar war.
Der Höhepunkt jedes Besuchs des Bromo bzw. der Tengger Caldera ist der Sonnenaufgang. In stockdunkler Nacht machten wir uns daher auf den Weg entlang des Rands der Caldera nach Norden, um bis über den Seruni Point hinaus aufzusteigen für den besten Blick.

Die Morgenröte ließ den Himmel natürlich Richtung Osten erglühen. Durch das Teleobjektiv zeichnete sich der Kegel des 60 km entfernten Gunung Lemongan deutlich dunkel ab. Das ist auch der Vulkan, der im großen Foto ganz oben am Anfang dieses Eintrags zu erkennen ist. Im Süden reichte der Blick in die Caldera über den Gunung Batok im Vordergrund, Gunung Bromo links dahinter und in der Ferne den Gunung Semeru, den mit 3676 m höchsten Vulkan Javas.




Gunung Batok, Gunung Bromo und Gunung Semeru:

Allmorgendlich entsteht am Fuße des Bromo ein Budenzauber mit Geländewagenparkplatz. Selbst aus Malang reisen Leute mitten in der Nacht mit Chauffeur im Jeep an, um den Sonnenaufgang hoch über der Caldera zu erleben, anschließend in die Caldera hinab geschippert zu werden, zum Kraterrand des Bromo hinaufzukraxeln und nach dem Abstieg den Weg zurück zu ihrem allradgetriebenen fahrbaren Untersatz durch die Quengelgasse der Souvenirverkäufer hindurch zu suchen und dann wieder zurück in die Ebene zu düsen. All das war uns am Nachmittag erspart geblieben.


Rechts die Tengger Caldera, auf dem Grat das Dorf Cemoro Lawang, und im Hintergrund der Gunung Lemongan.

Der Semeru verabschiedet sich mit einer Rauchwolke zeigt, dass er ziemlich aktiv ist.

Wir lassen uns nach dem Frühstück nach Banyuwangi chauffieren, von wo aus wir uns zwei Tage später unverrichteter Dinge aus Java Richtung Bali verabschieden werden. Geplant war die nächtliche Besteigung eines weiteren Vulkans, des Iljen, und dem Abstieg zu seinem Kratersee, um den Abbau von Schwefel (für die Raffinierung von Zucker!) unter üblen und in den Schwefeldämpfen gesundheitszerstörenden Bedingungen zu beobachten. Dafür hatten wir eigens säurefeste Handschuhe und geeignete Atemmasken im Gepäck. Doch leider war der Aufstieg zum Krater wegen Waldbränden gesperrt.
So saßen wir also zwei Tage auf halber Strecke zwischen Banyuwangi und Krater Iljen in einem Hotel mitten im Nichts fest und widmeten uns im Schauerwetter dem Swimming Pool. Erschwerend kam hinzu, dass es sich um die Gegend mit der höchsten Moscheendichte von ganz Indonesien handeln musste! Ins Reisetagebuch notierte ich:
Wenn religiöser Eifer zu Psychoterror wird, Mohammed sich mit scherzenden Ohren grausend abwenden und das Weite suchen würde, Nachtruhe und Schlaf zum unerfüllten Wunschtraum und ein Tinitus zur Wohltat werden…
Hier muss jeder dritte Einwohner ein Muezzin sein; und spätestens um 4:15 Uhr überwiegen die tiefen Zweifel am technischen Fortschritt, und man wünscht sich dringend eine Rückkehr ins vorelektrische Zeitalter ohne Lautsprecher. Dabei könnte es hier so ruhig und erholsam sein.
In keiner Rezension des Hotels war je von dieser Kakophonie aus Moscheelautsprechern in 360° Surround und mehrstündiger Dauerbeschallung am frühen Morgen die Rede. Aber die früheren Hotelgäste waren um diese Zeit ja wahrscheinlich auch alle schon am Kratersee und nicht hier unten umzingelt von konkurrierenden Gotteshäusern. Sch… Waldbrand!
Geordneter Rückzug per Flieger nach Denpasar…




