Nach dem Besuch des stark reglementierten und in ein strenges Korsett gezwungenen Sonntagsbasars in Kashgar wollten wir gern noch einen Markt besuchen, der noch größere Ursprünglichkeit besitzen und mehr an das einstige chaotisch orientalische Markttreiben erinnern sollte. Nicht weit entfernt von der uyghurichsten aller Oasen in Xinjiang sollte sich nach Auskunft unseres Fahrers eine solche Gelegenheit bieten.

Als wir am späten Vormittag gegen 11:00 Uhr in Opal ankamen, überkamen uns schon einige Zweifel, ob aus dem angekündigten Markt am Montag noch etwas werden würde. Zwar gehen im äußersten Westen Chinas die Uhren deutlich anders als im chinesischen Kernland, aber Märkte begannen hier früher früher… Aber wir hatten ja schon gehört, dass die Uhren hier in Xinjiang auch politisch mächtig zurück gedreht worden waren.
Dem Primat der Ideologie müssen sich im Grenzland nicht nur uralte Traditionen sondern auch alle kapitalistischen Interessen beugen. Nur die Klofrau war früh auf dem Posten. Gegen den Ruf der Natur kommt offensichtlich auch der Sozialismus chinesischer Prägung nicht wirklich an.

Erst nach 12:00 Uhr kam langsam aber sicher doch Leben in die anfangs ausgestorbenen Gassen. Die Händler rückten nach und nach an, um ihre Stände mit Waren zu füllen.


Wir blieben geraume Zeit auf dem Markt und kamen auch später in diesen Bereich mit Textilien und Kleidung zurück. Aber man konnte wirklich nicht behaupten, dass hier Überfüllung herrschte.

Die starken Einschränkungen der Bewegungsfreiheit der uyghurischen Bevölkerung Xinjiangs machten sich auch hier bemerkbar. Händler und Kundschaft kamen offensichtlich lediglich aus der näheren Umgebung.
Und so manch ein Händler, so schien es, wartete vergeblich auf Kundschaft. Auch wenn die Reissäcke noch so anziehend bunt waren. Wie war das mit dem Reissack, der irgendwor in China umfällt?
In anderen Fällen mögen gewisse Vorbehalte auf Seiten der potentiellen Kunden die Ursache für mangelnden Absatz gewesen sein. Das Öl, dass hier den Besitzer wechseln sollte, schien zumindest uns auf den ersten Blick nicht wirklich geeignet zum Verzehr. Weder Behälter noch Farbe deuteten auf eine gesundheitsförderliche Qualität hin…
