Der Pura Taman Ayun in Mengwi war der erste Tempel auf Bali, den wir besichtigten. Wobei „Besichtigung“ das richtige Wort ist, da ein Besuch des eigentlichen heiligen Bezirks in guter hinduistischer Tradition für Ungläubige nicht vorgesehen ist und man sich diesen Teil des Tempels nur über eine Mauer hinweg besehen kann… Zu Recht gilt er aber als einer der schönsten von Bali. Trotz aller Einschränkungen somit doch ein gelungener Einstieg in die folgende balinesische Tempelei – wenn man denn erstmal an den freundlichen Türstehern vorbei ist…


Seit 2012 ist der Tempel des schwimmenden Gartens, wie er übersetzt heißt, Teil des UNESCO Weltkulturerbes. Nicht der Tempel an sich, der wohl im 17. Jahrhundert das erste Mal als Staatstempel der damals herrschenden Dynastie erbaut und nach einem Erdbeben 1937 komplett wiederhergestellt wurde, sondern das balinesische Subak System, deren Teil der Tempel ist, wurde zum Weltkulturerbe erklärt.
Subak ist ein tausend Jahre altes System kollektiver Bewässerung der Reisterrassen Balis, das auf dem hinduistischen Glauben sowie einer Philosophie beruht, in deren Zentrum die harmonischen Beziehungen zwischen Menschen, Erde und Göttern steht. Wie auch in traditionellen Bewässerungssystemen Indiens – die in ihrer großen Mehrzahl zerstört und vergessen sind – stehen auch in Bali Tempel im Mittelpunkt des Systems. Das Wassermanagement liegt hier traditionell in den Händen der Priester. Und der Pura Taman Ayun ist bei weitem nicht der einzige Tempel innerhalb des Subak Systems.
Der Tempel des schwimmenden Gartens liegt auf einer Flussinsel und ist anders als praktisch alle balinesischen Tempel nicht auf den höchsten Vulkan der Insel Gunung Agung ausgerichtet sondern auf den Gunung Batur, von dessen Flanken das Bewässerungssystem gespeist wird, das in diesem tempel gemanagt wird.
In den Reisanbaugebieten Balis kümmern sich seit einem Jahrtausend dörfliche Kollektive um die Wasserwirtschaft. Heute sind es 1200 solcher Zweckgemeinschaften mit 50 bis 400 Reisbauern, die sich um die Anlage, den Erhalt und die Bewirtschaftung eines riesigen Netzes von Kanälen, Tunneln für die Bewässerung von Reisfeldern auf einer Fläche von fast 20000 ha kümmern. Wassertempel bilden die religiösen, kulturellen und sozialen Knotenpunkte dieses Netzwerkes.
