So stellt man sich den Besuch in einem der heiligsten Tempel Balis vor, Gläubige in stiller Versenkung tief empfundener Religiosität. Und diese exotistischen Erwartungen werden auch vielfach erfüllt. Man sieht vielerorts Pilger und Pujas. Religion ist tatsächlich Teil des Alltags. Die zentrale Rolle von Pflanzen und besonders Blumen in den Ritualen wirkt äüßerst sympathisch.
Der Pura Penataran Agung Lempuyang befindet sich ganz im Osten Balis auf 600 m Höhe an der Westflanke eines erloschenen Vulkans. Man sagt, er befinde sich an einem Ort, der schon in der vorhinduistischen Zeit als Heiligtum diente. Aufgrund seiner Lage und mit dem freien Blick auf den heiligen Vulkan Gunung Agung, der nur 15 km Luftlinie entfernt Richtung WNW liegt, klingt diese Theorie durchaus plausibel. Auch wenn der Agung sich während unseres Besuchs hinter Wolken verbarg.

Der Pura Penataran Agung Lempuyang markiert einen der sechs heiligsten Orte auf Bali, die dafür sorgen, dass sich die Insel in einem natürlichen Gleichgewicht befindet und vor negativen Einflüssen – die auf Bali grundsätzlich ausschließlich von außen kommen – geschützt wird. Dieser Tempel ist also das Bollwerk nach Osten.
Üblicherweise bewegt man sich in einem Tempel von tiefsten Punkt zum höchsten Punkt. Man beginnt unten und kommt beim Aufstieg an der Bergflanke entlang nacheinander in immer höher gelegene und damit heiligere Tempelbezirke. Über diese von riesigen Nagas flankierte Treppe würde man also aufsteigen.
Nicht so im Pura Penataran Agung Lempuyang. Hier läuft man rechts am gesamten Tempel vorbei bergauf und wendet sich erst am höchsten Punkt nach links, um von dort aus – also von ganz oben – den heiligen Bezirk zu betreten.

Dabei ist der Prozessionsweg nach oben durchaus imposant und dürfte seine Wirkung auf die Gläubigen nicht verfehlen.
Aber was für ein Kontrast…

Das Stichwort ist: Instagrammable!
Damit die Sache einigermaßen geordnet und der Bedeutung des Ortes angemessen abläuft, bietet der Tempel einen Fotografierservice. Man zieht eine Wartenummer und übergibt brav sein Handy, sobald man für 30 Sekunden an der Reihe ist. Der nächste bitte!
Immer mal wieder sind Berichte von Touristen in der Presse, die nichts besseres zu tun haben, als an heiligen Orten für ein weltweit geteilten Schnappschuss blank zu ziehen oder einen Quickie zu simulieren. Man mag sich also kaum vorstellen, was hier möglich wäre, wenn an diesem exponierten Ort Touristen nicht eingehgt würden. Obwohl die Organisiertheit dem Ort viel von seiner Atmosphäre nimmt.