Ende Mai, trübes Regenwetter im Norden. Ab über die Alpen an den Gardasee, paddeln in der Sonne, und von dort aus mal einen Tagesausflug hierhin und dorthin, schnell sind wir auch in Verona. Da wir das alles schon vor Jahren hatten, besuchen wir weder die Arena noch die romantischen Touristenmassen im Haus von Julia. Erstmal flanieren wir in der Sonne über die Piazza Brá und erfreuen uns an einigen Details mit viel und langer Historie.




Früher oder später landet man aber überall in Italien an irgendeiner Kirche…

Von der Altstadt ging es über eine Brücke über die Etsch ins Borgo Trento und über eine zweite wieder zurück nach Südwesten. Die erste Kirche, die in unserem Weg stand und noch dazu unsere Aufmerksamkeit erregte. war dann die Basilica di San Zeno Maggiore aus dem 12./13. Jahrhundert im gleichnamigen Stadtviertel.
Klar gab es hier die üblichen Gemälde berühmter Meister mit den bekannten Motiven. Einzigartig und faszinierend sind in dieser Kirche jedoch die nur von innen sichtbare Bronzepforte aus der Zeit des Kirchenbaus. Auf 48 Feldern arbeiteten sich dort mindestens drei Künstler an Szenen des Alten und Neuen Testaments sowie am Leben des namensgebenden Heiligen ab. Die ältesten Teile werden einem deutschen Meister zugeschrieben…
Die große Krypta beherbergt schon seit dem 10. Jahrundert die sterblichen Überreste des heiligen Zenon , seines Zeichens Bischof von Verona 362-380 und – Überraschung – mauretanischer Herkunft und somit dunkelhäutig dargestellt. Vielleicht war seine exotische Herkunft der Grund, weshalb Zenon zum Heiligen gemacht wurde, obwohl er nicht die für diesen Status übliche Grundqualifikation eines gewaltsamen Ablebens aufweisen konnte.
Mehrfach umgebaut strahlt die Krypta mit ihren auf 49 Säulen gelagerten Gewölben heute noch die Atmosphäre des 13. Jahrhunderts aus.
Beim Wiederaufstieg ins Reich der Lebenden fällt über der Hauptpforte die große Fensterrosette aus dem Jahr 1138 ins Auge.
Da Eintritt in die Kirche nur in Kombi mit zwei weiteren Gotteshäusern zu bekommen ist, müssen diese natürlich auch noch besucht werden. Durch die engen Gassen geht es also weiter zur Basilica di Santa Anastasia in der Nordostecke der Altstadt.
Unter den vielen Werken berühmter Maler und Bildhauer gefiel besonders der Gewölbeabschluss des Miniscalchi Altars im linken Seitenschiff.
Für einen der absoluten Höhepunkte der Besichtigung muss man den Kopf weit in den Nacken legen, gute Augen – oder ein starkes Teleobjektiv auf der Kamera haben (Bild 1). Zwischen 1433 und 1438 von Pisanello gemalt macht sich der Heilige Georg, einen Fuß schon im Steigbügel, daran, in die Schlacht gegen den Drachen zu ziehen. Sein Blick ist schon auf den Drachen links des Gewölbebogens (Bild 2) gerichtet, während nur Augen für ihren Helden zu haben scheint. Im prinzesslichen (gibt es dieses Wort in der weiblichen Form?) Profil erkennt man die Mode der Zeit: Das Stirnhaar wurde wegrasiert, um dem Gesicht einen nobleren Ausdruck zu verleihen (Bild 3).
Auf gehts zum nächsten – und an diesem Besuchstag letzten – Christentempel. Vorbei an profanen Meisterwerken der Architektur…
… ist unser Ziel nun San Fermo im Nordwesten der Altstadt. Diese 1065 mit einer Unter- und einer Oberkirche von den Benediktinern auf den Mauern eines älteren Gottestempels errichtete Basilika ist den Heiligen Fermo und Rustico geweiht, die – wie es sich gehört – im Jahr 304 an den Ufern der Etsch gewaltsam ums Leben kamen.
Wenn man die Oberkirche betritt, fällt zunächst die herrliche Holzdecke ins Auge, die einem umgekehrten Schiffsrumpf nachempfunden ist. Ansonsten findet sich natürlich auch hier die für größere italienische Kirchen übliche Ansammlung von Werken der Großen der Kunstgeschichte. Aber fangen wir einmal mit den kleineren Werken an. Gleich nach dem Eintreten prangt rechts eine der üblichen Grausamkeiten, die im Christentum so gern bebildert werden. Sieben erhängte und in der Körpermitte zerteilte Franziskaner, die man 1327 angeblich in Indien gemeuchelt hat, zieren die Wand. Was hatten die da auch zu suchen?
Etwas weiter, Blick steil nach oben, befindet sich direkt unterhalb der Holzdecke an der rechten Wand das fragment eines 1438 gemalten, dann lange übertünchten und erst 1906 wiederentdeckten Freskos, über dessen Urheber noch Uneinigkeit herrscht: Zwei Engel halten ein Spruchband.
Links des Portals befindet sich an der Wand das als großes Highlight gefeierte Grabmahl der Familie Brenzoni. Im oberen Bereich oberhalb des von Engeln offen gehaltenen Vorhangs ziert die älteste signierte und datierte Malerei von Pisanello (Die Verkündigung) aus dem Jahr 1426 die Wand. Thema des Mausoleums ist die Auferstehung, mit Jesaja auf dem Sarkophag und zwei Erzengeln rechts und links außen.
Alle drei Kirchen und die Kathedrale zusätzlich haben übrigens einen phantastischen Auftritt im Internet. Dort kann man virtuelle Rundgänge unternehmen und sich alles in Ruhe ansehen. In der Basilica di San Zeno sieht man sogar die Ticketverkäuferin in ihrem Glaskasten telefonieren. Sie guckt ziemlich überrascht.















