Eigentlich könnte ich unmittelbar an den letzten Beitrag anschließen…

Es war eher ein Zufall, dass wir eine Darstellung des beliebten Hahnenkampfs auch in der einzigen „schwimmenden“ Halle des Palasts von Klungkung entdeckten, die die niederländische Eroberung Balis 1908 überdauerte. Ansonsten steht von der einstigen Herrscherresidenz nur noch ein Palasttor.
Diese verbliebene Halle namens Bale Kerta Gosa diente von etwa 1700 bis zum Untergang des Königreichs Klungkung Anfang des 20. Jahrhunderts zur Diskussion von Staatsgeschäften mit hohen Würdenträgern und den Oberhäuptern der anderen acht untergeordneten balinesischen Königshäuser. Nach der Niederlage gegen die Niederländer und die Zerstörung des Palasts diente sie noch einige Jahrzehnte als Gerichtshalle zur Verhandlung gewohnheitsrechtlicher Streitfälle und religiöser Probleme (bisweilen unter der Aufsicht der Kolonisatoren).
Der eigentliche Schatz des schlichten offenen Pavillons befindet sich unmittelbar unter den Dachbalken, bzw. direkt auf ihnen. Das gesamte Dach ist von innen im Kamasan- oder Wayang-Stil ausgemalt.

In den den stark an das ursprünglich in Java entstandene Schattenspiel Wayang erinnernden Bildergeschichten geht es u.a. um hinduistische Mythologie, die Nutzung von Erdbeben zur Vorhersage von Ereignissen (essentieller wäre umgekehrt wohl die zuverlässige Vorhersage von Erdbeben!), himmlische Gefilde für reine Seelen, und so weiter.
Spannender aber sind die Darstellungen unterschiedlichster Formen von Betrug in der menschlichen Gesellschaft sowie die Bestrafungen, die auf die armen Seelen im Jenseits für die unterschiedlichen weltlichen Verfehlungen im Leben warten:
- Ehebruch wird (Frauen) mit der Fackel ausgetrieben
- Wer vor anderen Leuten einen fahren ließ, dem wird der Darm aus dem Leib gezogen
Wie viele von den heutigen Illustrationen noch den Szenen entsprechen, die entstanden, als das Gebäude gebaut wurde, ist schwer zu sagen. Von den letzten beiden Restaurationen 1930 und 1960 durch lokale Künstler heißt es, verblichene und beschädigte Bilder seien durch neue im selben Stil ersetzt worden…










