Cham!
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Hier kommt nun also die Erklärung dafür, warum wir auch am letzten Tag Labrang nicht verließen und damit all unsere Pläne für Ausflüge in die Hochebene jenseits der Klosterstadt gestrichen haben. Stattdessen harrten wir in der Kälte einen ganzen langen Tag darußen aus. Allein waren wir jedoch nicht. Fangen wir also mit Setting und den Zuschauern an, denn zunächst einmal tat sich ansonsten – rein gar nichts.



Im modernen Teil der Stadt lief uns zwar während unseres Aufenthalts eine Handvoll Inlandstouristen über den Weg, aber hierher hatten nur Pilger gefunden, um den Novembervollmond zu feiern, das letzte große Tempelfest des Kalenderjahres.



Auf der anderen Seite des Platzes füllten sich langsam auch die Ränge.

Junge Novizen fanden sich ein, einfache Mönche jeden Alters wie auch Funktions- und Würdenträger bis hin zum Abt.


Unter den Novizen und Mönchen, die gemeinsam mit den Pilgern und uns auf den Beginn der Zeremonie warteten, waren einige, denen besondere wertschätzung entgegengebracht wurde. Das war nicht nur an der nach Rang abgestuften Polsterung der Sitzmatten zu erkennen.
Vielmehr strahlten sie als Reinkarnationen früherer hoher Lamas oder gar lebende Buddhas tatsächlich trotz ihres teils sehr jungen Alters eine große Autorität aus.
Selbst der jüngste unter ihnen hatte wirklich ein Charisma, dem man sich schwer entziehen konnte.
Es war deutlich erkennbar, dass dieser kleine Junge für etwas Höheres vorbereitet wurde. Und dennoch ließ man ihn auch Kind sein…
Nun geht es los. Die aktiv an der Zeremonie beteiligten Mönche nehmen Aufstellung.
Der Zeremonienmeister macht sich bereit.
Cham ist getanzte tantrische Meditation. Labrang ist eines der berühmten Ausbildungszentren für diese Art der nur von Mönchen ausgeführten religiösen Zeremonien. In der Regel viermal im Jahr, am Tag vor einer Vollmondnacht, versetzen sich die Tänzer zunächst in Trance. Wie in anderen Religionen auch fährt die dargestellte Gottheit mit dem Anlegen der Kostüme in ihre Körper. Dabei bleibt nichts dem Zufall überlassen. Jede Schleife am Kostüm muss exakt sitzen, und keine der überwiegend in geradezu aufreizender Langsamkeit ausgeführten Schritte und Gesten lässt irgendeinen Raum für Improvisation.
Darüber wird aufmerksam gewacht.
Die Tanzenden sind die verschiedenen Dharmapalas, die dämonisch erscheinenden Beschützer der Lehre. Wieder begegnen wir all den schützenden Türgottheiten, hier zunächst Kubera, begleitet von weiteren niederen Schutzgottheiten.
Aus Zeitlupe wird bisweilen auch plötzliche Dynamik.
Fortsetzung folgt.