60 km nördlich von Rom haben sich im beschaulichen Städtchen Caprarola am östlichen Hang eines uralten vulkankegels, dessen Caldera heute der Lago di Vico ausfüllt, wieder einmal ein paar Farneses verewigt. Alessandro Farnese, der spätere Papst Paull III., ließ hier im Jahr 1530 (aus gutem Grund?) den Bau einer Festung für sich beginnen. Alessandro war der Zweitgeborene, wodurch eine Kirchenkarriere, die im seine reiche und einflussreiche Familie erkaufte, vorbestimmt. Erst durch das verborgene Wirken seiner Schwester Giulia, ihres Zeichens Mätresse von Papst Alexander VI., öffneten sich für Alessandro mit der Ernennung zum Kardinal 1493 die Türen zum katholischen Zentrum der Macht. Als er dann 1534 im dritten Anlauf zum Papst gewählt wurde, bestand für den Festungsbau offenbar kein dringender Bedarf mehr, und die Bauarbeiten kamen zum Erliegen.
Als Paul III. startete er nicht nur die katholische Gegenreformation als Antwort auf den erstarkenden Protestantismus, er mehrte auch mit allen Mitteln Reichtum und Einfluss seiner Familie – ein Farnese eben. Ach, und das Jüngste Gericht gabe er für die Sixtinische Kapelle auch bei Michelangelo in Auftrag… Begünstigt wurden natürlich zuallererst seine vier zunächst unehelichen, dann aber vom päpstlichen Vorgänger legitimierten Kinder, die er – zwar schon in kirchlichen Ämtern unterwegs – mit seiner Geliebten gezeugt hatte, bevor er erst 1519 überhaupt zum Priester geweiht wurde. Dem Weiter- und Wohlleben der Familie Farnese stand so also kaum etwas im Wege – bis sie 1731 endgültig ausstarb.
1559 beschloss dann Alessandros Enkel Alessandro, den der erstgenannte Alessandro schon im Jahr seines Amtsantritt als Papst zum Kardinal ernannt hatte (Enkel Alessandro befand sich im zarten Alter von 14 Jahren!), die von Großvattern geplante Festung als Palast in Form eines Pentagons wieder aufleben zu lassen.


Schaut man sich den Grundriss des fertiggestellten Lustschlosses an, so ist der Ursprung als Festungsbau schwer zu verleugnen. Als bei Weitem größtes Gebäude in Caprarola, das noch dazu am Hang oberhalb des Ortes am Ende der Haupstraße thront, dominiert der Palazzo Farnese. Dennoch wirkt er nicht monströs und versteckt seine Ausmaße hinter einer sehr harmonischen Fassade.
War der Ort für eine Festung sicher gut gewählt, so stellte sich die Topographie für die Gestaltung eines Lustschlosses mit den aus der italienischen Renaissance nicht wegzudenkenden Gartenanlagen als eher schwierig heraus. Ein Prachtgarten vor dem Gebäude in Richtung Ort kam nicht infrage, und auch der Anstieg zum ehemaligen Kraterrand dahinter war alles andere als ideal. So mussten sich die Gartenarchitekten von Enkel Alessandro zunächst auf zwei relativ kleine sog. geheime Gärten „hinter dem Haus“ beschränken, die auf dem Lageplan viel größer wirken als sie sind. Einst mit Bäumen und Blumen bepflanzt, erscheinen sie heute mit ihren Buchshecken und Steineichen als Zwitterwesen zwischen formal und verwildert.
Betreten wurden diese Gärten in erster Linie vom Hausherren, der hier lustwandelte (wie oft er das wohl wirklich tat?), vom Piano nobile aus über zwei Brücken, die den „Festungsgraben“ überspannen. Die Garteneingänge werden flankiert von jeweils zwei Horen, den griechischen Gottheiten der Jahreszeiten.

Von der Nordspitze des wetlichen der beiden geheimen Gärten für leicht nach Westen ansteigend ein Waldweg unter großen Steineichen, Kastanien und Kiefern ein Waldweg durch den naturbelassenen Jagdpark und dann weiter auf einer Tannenallee hinauf zum jüngsten Teil der Anlage, dem Casino del Piacere. Erst 1584 begonnen erlebte Enkel Alessandro die fertigstellung nicht mehr, denn er verstarb 1589. Seine erben setzten die Arbeiten fort, die sich offensichtlich bis weit nach 1620 hinzogen.
Am Ende der Tannenallee erwarten den Besucher am Rande eines quadratischen Platzes mit einem großen runden Wasserbecken zunächst rechts und links zwei Figuren, deren Torsi aus Sockeln herauswachsen. Der eine – Silenzio – legt den Finger auf die Lippen und, wie könnte es anders sein, gebietet Ruhe.

An der Stirnseite des Platzes öffnet sich der Blick auf eine Rampe, die zur nächsten Ebene hinaufführt. Zwischen den beiden Treppenaufgängen befindet sich in der Mitte eine eindrucksvolle Catena d’Acqua, eine Wasserkette, über deren von Delphinen gerahmte Kaskaden Wasser in eine muschelförmige Schale herabfließt.


Am Ende des Aufgangs lassen die gigantischen Flussgötter Tiber und Arno aus Füllhörnern Wasser in einen Kelch sprudeln. Über zwei Freitreppen links und rechts der Steinriesen erreicht man die nächste Ebene mit einem weiteren formalen Garten und dem dahinterliegenden Casino.




Das Casino del Piacere selbst kann man nur von außen betrachten, da es heute als eine der Residenzen des italienischen Staatspräsidenten dient. Da der jedoch nicht zuhause war, konnte man zumindest seinen Garten ungehindert durchstreifen und sich an den 28 Karyatiden erfreuen, die ihn begrenzen.



Einen wirklich guten Überblick über diesen Teil der Garten- und Palastanlage bekommt man jedoch erst, wenn man über eine der beiden Freitreppen zu beiden Seiten des Casinos hinauf zur letzten Ebene des Anwesens hinaufsteigt.




Ist man an einer der Delfinkaskaden und einer der Putten, die zusammen die steinernen Geländer der Freitreppen bilden, oben hinter dem Casino angekommen, richtet sich der Blick auf einen zentralen Springbrunnen und eine leicht ansteigende und durch Terrassenmauern mit grotesken Köpfen gegliederte Freifläche, in deren Mitte ein weg zum Hintereingang des Anwesens führt.


An dieser Stelle könnte ich jetzt alle bisherigen Fotos noch einmal in umgekehrter Reihenfolge zeigen, denn es geht auf demselben Weg wieder zurück zum verhinderten Fünfeckkastell… Aber ein letzter Blick auf das Delfingeländer mit Putte sowie Tiber und Arno wird reichen.


Bevor es jetzt aus dem Innern der typisch farnesinisch bescheidenen Villa Manierismus bis zum Abwinken gibt, werfen wir einen kurzen Blick hinaus auf den Ort Caprarola. Aus dieser Perspektive lag den Farneses Caprarola – und wohl auch noch mehr – zu Füßen…


Einmal im Gebäude stellt man sehr schnell fest, dass die schlichte Fassade, der sich das einfache Volk gegenüber sah, nichts als Tarnung für überbordenden Luxus und Pracht innerhalb der Mauern war und ist. Da ist zunächst der von hohen Arkaden umschlossene runde Innenhof.



Den absoluten Höhepunkt bildet die treffend Scala regia genannte Prachttreppe in der Südwestecke des Pentagon. Diesen Aufgang muss man lange auf sich wirken lassen. Man stelle sich dazu noch reiche Menschen in der Mode des 16. Jahrhunderts vor…






Ganz oben wartet dann auch noch eine Kuppel…

Damit ist die manieristische Prachtentfaltung im Gebäudeinnern noch lange nicht am Ende. Vielmehr ist die Königliche Treppe eher eine Einstimmung in das, was da noch kommt.
Mehr Manierismus gab es nie…
Und dann sind da ja auch noch die Decken der Säle und Zimmer…
























