Von der Villa Lante in Bagnaia aus ist es nur ein Katzensprung bis zu der alten Stadt Viterbo, als deren Stadtteil Bagnaia zählt, obwohl dazwischen viel flaches Land und Wald liegen.
310 v. Chr. eroberten die Römer hier eine etruskische Ansiedlung, die später zu Viterbo werden sollte. Die Stadt blickt also auf eine ziemlich lange Geschichte zurück. Stadt im formalen Sinn wurde Viterbo jedoch erst im Jahr 1167, als Friedrich Barbarossa die Stadtrechte verlieh. Zuvor war der Ort langobardische Grenzfestung und wechselte im Laufe der mehr als zwei Jahrtausende ihres Bestehens wie auch anderswo üblich zig mal die Besitzer. Mal gehörte Viterbo dem Heiligen Italienischen Reich Deutscher Nation, dann dem Papst, verschiedenen Adelsfamilien und dann wieder dem Papst…
All das hat mit den heutigen Bewohnern natürlich herzlich wenig zu tun.

Die Löwen und die Palme auf diesem Brunnen repräsentieren die wichtigsten Teile des Stadtwappens – eigentlich nur mit einem Löwen…

Die ältesten Teile Viterbos wirken mittelalterlich und bisweilen auch etwas düster.



Viterbo war Schauplatz eines skurrilen Rekords der katholischen Christenheit. Dass die Kardinäle nach dem Tod (oder seltenen Rücktritt) des bis dahin amtierenden Papstes in Rom so lange in einem Konklave zusammengesperrt werden, bis durch weißen Rauch die erfolgreiche Wahl eines Nachfolgers signalisiert wird, dürfte sich herumgesprochen haben. Auch Viterbo war nach dem Tod von Papst Clemens VI im Jahr 1268 Austragungsort eines Konklaves. Und was für eines!
Mit einem kollektiven Kardinalsarrest von 1005 Tagen hält das Konklave von Viterbo den einsamen Längenrekord in der katholischen Kirchengeschichte. Die zusammengesperrten Kirchenfürsten benötigten vom 30. November 1268 bis zum 1. September 1271, um sich auf einen neuen Inhaber des höchsten Kirchenamts zu einigen. Von den ursprünglich 20 Kardinälen waren am Ende nur noch 16 übrig. Drei starben und einer hat wohl entnervt den gemeinsamen Arrest verlassen. Ob beides daran lag, dass man dem Vernehmen nach die wohl anfangs sehr üppige Vollverpflegung der Würdenträger zum Ende hin auf Waser und Brot reduzierte, ist nicht überliefert.
Aber auch unabhängig von der langen Dauer der Veranstaltung hinter verschlossenen Türen, die an basisdemokratischen Praktiken aus der Frühzeit der Grünen erinnert, weist diese Papstwahl noch einige andere Skurrilitäten auf. So weilte der neue Papst zum Zeitpunkt seiner Wahl auf einer Pilgerreise im Heiligen Land und konnte die Wahl erst nach seiner Rückkehr im Februar 1272 annehmen. Und dann war es nicht einmal ein echter Priester, auf den die Wahl der Kardinäle gefallen war. Die Priester- und gleich dazu die Bischofsweihe erhielt der Auserwählte am 19. März 1272 , bevor er dann als Gregor X am 27. März in Rom sein Amt antreten konnte. Getauft war er aber wohl schon…
Kirchen gibt es daher in Viterbo natürlich auch.
Obwohl man das Stadtbild auf den ersten Blick kaum mit mediterraner Leichtigkeit und dolce vita assoziieren wird, lohnt sich das Durchschlendern der Gassen auf der Suche nach fotogene Ecken. Hat man sie gefunden, rennen zuweilen unerwünschte Gestalten durchs Bild und stören die schönste Komposition. Die muss man dann eben mit Konsequenz entfernen.



