Wer im Internet die gute alte Tante Google mit dem Begriff „Bali“ füttert und Bilder sucht, bekommt in sieben von zehn Fällen ein Foto eines Tempels geliefert. Nicht irgendein Tempel, sondern DER Tempel erscheint auf sieben der zehn ersten Treffer. Überall ist er zu sehen, und man kann ihn ohne Bedenken als ikonisch für Bali bezeichnen. Klar, dass wir den Pura Ulun Danu Bratan auch sehen wollten. Zur Hälfte in einem Kratersee schwimmend von Wasser umgeben – geradezu mystisch musste die Atmosphäre dort sein. Und ikonisch eben.

Was für eine Enttäuschung! Welche Entzauberung eines ikonischen Tempels! Mitnichten schwamm der Tempel im See. Wenn er das überhaupt noch jemals tut, dann wohl nur nach wochenlangen sintflutartigen Regenfällen und bei extremem Hochwasser. Statt von seichten Wellen ist er nun von Blumenrabatten und einer Rasenfläche eingefasst. Die gestrandeten Tretboote zwanzig Meter entfernt tragen auich nicht zur Mystik ds Ortes bei. Was für eine Karriere einer Ikone. Die Atmosphäre hatte etwas von Sommerfrische und Volksfest. Was nicht an den Pilgergruppen lag. Die gaben dem Ort ein wenig von dem, was wir von einer so wichtigen religiösen Stätte aus dem 17. Jahrhundert erwartet hatten.

Zwar war der Tempel selbst als DIE Ikone Balis gründlich entzaubert. Aber um ihn geht es in diesem Beitrag ja eigentlich auch gar nicht…
Ikonisches gab es dort allerdings zu entdecken, besonders dort, wo wir es nicht erwartet hatten.
Die rote Handtasche rechts kann man schon als Stilikone bezeichnen und ist ein echtes Statement. Ich vermute aber, sie gehört ihm nicht, was das dann wieder etwas relativiert. Die Sonnenbrille des jungen Herrn links könnte man durchaus als ikonisch bezeichnen, die Smartphones sowieso. Aber auch um die geht es hier nicht.
Der Schweizer Julius Maggi wollte zwar von Beginn an eine Markenikone für den Weltmarkt kreieren, als er im deutschen Singen 1887 mit dem Abfüllen seiner Flüssigwürze in handliche Flaschen begann, hätte sich wahrscheinlich aber dennoch nie träumen lassen, dass das von ihm 1886 gestaltete Fläschchen einmal liturgische Karriere in den hinduistischen Tempelritualen im fernen Bali machen würde. Was zunächst wie ein Ausrutscher aussieht – vielleicht gab es gerade nichts passendes für das Tropfen und Sprenkeln segensreichen Wassers – ist keineswegs Zufall, hat im Gegenteil System und Methode.
Die Öhrchen des niedlichen kleinen Mädchens, das sich auf dem Bild links neben ihrer Freundin im Schatten des Schreins versteckt, als ikonisch zu bezeichnen, wäre weder wirklich zutreffend noch sehr nett. Sehenswert sind sie aber doch 😉
Für die auf dem Bild rechts verteilten Reiskörner, die sich die Gläubigen als Zeichen der Segnung an Stirn und Hals kleben, trifft das Ikonische schon eher zu. Ein sehr naturverbundenes und sympathisches Ritual in einer bäuerlich geprägten Gesellschaft. Und da sich die Tradition offenbar auch in einer immer weniger auf Landwirtschaft basierenden Gesellschaft hartnäck hält, könnte man durchaus auch von Karriere sprechen.
Die eigentliche Überraschung verbarg sich andernorts im hinduistischen Ritual. Jetzt wäre es an der Zeit noch einmal nach oben zu scrollen und das ganz große Bild noch einmal zu untersuchen. Aber auch hier unten ist der absolut ikonische Gegenstand zu entdecken (zentral im Bild, aber vielleicht nicht ganz so prominent):
Wenn das nicht eine ikonische Weltkarriere ist!
Maggi, längst als Marke Teil des Nestlé-Konzerns, ist mit seinen Produkten auch in Indonesien nicht wegzudenken. Und indonesienaffinen deutschen dient sich die Marke auch als Wundermittel für authentische Bami Goreng an. Aber damit hat das Maggiritual im Tempel wohl nur sehr am Rande zu tun. An mehreren Orten sahen wir im religiösen Zubehörhandel auf den Märkten der Insel stapelweise Plastikflaschen im klassischen und seit 1886 im Kern unveränderten Design des Herrn Maggi. Sogar der Aufdruck darf nicht fehlen, obwohl die Plastikflaschen wohl nie Würzsauche enthalten werden.







