Wüstes Vergnügen
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Noch einmal etwa 50 km weiter nach Osten liegt das moderne Städtchen Shanshan unmittelbar am Nordrand eines kleinen Teilgebiets der Taklamakan, welches das bietet, was mensch sich gemeinhin unter Wüste vorstellt: Sand und Dünen pur. Um dort hinzukommen passiert man aber zunächst auch das, was Xinjiang für China so wertvoll macht: Ölfelder.

Die Sandwüste grenzt in Shanshan unmittelbar an das Stadtgebiet, getrennt von Straßen und Gebäuden nur durch einen schmalen und löchrigen Gürtel von Bäumen und Buschwerk entlang eines versiegenden Bächleins. Nun mag man sich fragen: Rückt die Wüste weiter nördlich vor, was man durch den Versuch der Bepflanzung der Randdünen mit Pionierpflanzen zu verhindern sucht? Oder müssen Oasenvegetation und Felder als lebende Barrieren gegen den Sand Beton und Bodenversiegelung weichen, weil das Stadtgebiet selbst immer weiter nach Süden an die Sandwüste heran rückt?

Wie dem auch sei, da auch dieses Stück Wüste in China in erster Linie als Wirtschaftsfaktor betrachtet wird, dürften die modernen Eigentumswohnungen mit direktem Blick auf die Wanderdünen besonders teuer sein. Wer sollte sich als Bewohner in einer solch privilegierten Lage da an dem Sand stören, der wohl des öfteren mal zwischen den Zähnen knirschen wird.

Ich kann mir auch schwer vorstellen, dass in einem anderen Land als China für den Zutritt zu einem Stück Sandwüste Eintritt erhoben wird… Und auch die Tatsache, dass der Haupteingang zur Kumtagh Desert Scenic Area nach Abschluss der Reisesaison hinter Bauzäunen verbarg änderte daran nichts, selbst wenn die Fahrten mit Sandbuggies, Motorrad, Jeep Bagger oder Panzer (!!!) ebenso wie der Ritt auf dem Kamel (natürlich alles gesondert zu bezahlen) in der Offsaison gar nicht mehr angeboten werden.

Unser Fahrer wusste, wie man abseits des Haupteingangs nah an die Sanddünen kam. Von dort waren es nur noch ein paar hundert Meter in den Sand der Wüste. Allerdings hatte ich die Rechnung ohne den Wirt gemacht, der hier selbstverständlich flächendeckend mit Überwachungskameras ausgestattet ist und sofort auf der wahrscheinlich eigens zu diesem Zweck angelegten Straße eine Patrouille schickte, die auch abseits der „Sehenswürdigkeiten“ im Bereich des Haupteingangs den Eintrittspreis abkassierte. Da half mir wenig auszuführen, dass ich an den Vergnügungen des Parks ja gar nicht interessiert sei und nur abseits davon einfach mal meinen Fuß in die Sandwüste setzen wollte. So wurde ich denn aufgeklärt, dass die Sandfläche, die der wirtschaftlichen Kontrolle des wüsten Vergnügungsparks größer sei als der Yellowstone Park in den USA, damit der weltweit größte Nationalpark sei, das Betreten nur durch den Haupteingang erlaubt und überhaupt überall auf den fast 23.000 Quadratkilometern kostenpflichtig sei. Wer’s glaubt… Das Problem ist eher, dass man außerhalb von Shanshan keine Straße oder Piste findet, die in die Sanddünen führt. Warum sollte da auch irgendjemand hin wollen? Die spinnen, die Touristen!

Eindrucksvoll ist so ein kurzer Spaziergang durch den Wüstensand dennoch. Und da ich weit genug abseits eingedrungen war und die Reisesaison beendet war, blieb mir auch der Anblick mit Müll übersäter Sandflächen und von lärmenden chinesischen Touristenmassen motorisiert durchpflügten Dünen erspart, wovon im Internet berichtet wird.

Hier war schon mal jemand unterwegs.
Hier nicht, aber da wollte ich hoch. Vorher:

Nachher: 
Auf dem Rückweg nach Turfan hätte das timing eigentlich nicht besser sein können, wollten wir doch in der Zeit zwischen spätem Nachmittag und Sonnenuntergang die Flammenden Berge sehen.
Doch Wüstensand, Feinstaub und insbesondere die allgemeine Verschmutzung der Luft, die uns in der gesamten Zeit in Xinjiang immer wieder heftig und lang andauernd husten ließ, machten hier das erwartete Farbspektakel zunichte.
Das flammende Inferno, welches der zerklüfteten Bergkette seinen Namen gab, fiel an diesem Abend ersatzlos aus. Stattdessen gesetzte Farben hinter Staub… Schade auch, dass diese spannend aussehende Piste wieder mal Teil eines durch horrendes Eintrittsgeld geschützten Vergnügungsparks und damit unzugänglich war.
Man muss sich mal vorstellen, dass hier eine Straße in wilden Serpentinen und dann weiter knapp unterhalb des Kamms dieser steilen Hänge angelegt wurde, nur um heftig zahlende Touristen über einen Rundkurs durch die Flammenden Berge zu kutschieren.
Die restlichen Bilder sind keine abstrakten Farbspiele in depressiven Tönen. Es sind Aufnahmen der erodierten Hänge so wie das schwindende Licht und die staubgetrübte Luft sie zuließen.