Seit 2011 kann man von Kashgar aus nun auch mit dem Zug am Südrand der Taklamakan der Südroute der historischen Seidenstraße folgen, allerdings nur 485 km bis Hotan. Wie auf einer Zeitreise fühlte ich mich tatsächlich. Denn hier waren offensichtlich die im restlichen China längst ausgemusterten alten Waggongs gelandet. Und auch die Geschwindigkeit erinnerte stark an die achtziger oder neunziger Jahre des letzten Jahrhunderts. So langsam, rüttelnd und schaukelnd war ich in China schon lange nicht mehr mit dem Zug unterwegs gewesen.
Ganz am Anfang der Fahrt kam in südöstlicher Richtung ein Berggipfel ins Blickfeld, den wohl auch Sven Hedin und seinesgleichen hier gesehen haben mussten. Bei Sven Hedin verstärkte diese Sichtung seinen Irrglauben, der Muztagh Ata sei der höchste Berg des chinesischn Pamir. Jedoch kann man den Muztagh Ata aus der Wüstenebene heraus definitiv nicht sehen. Es handelt sich bei diesem anderen markanten Gipfel vielmehr um einen aus der Kongur Kette.

Die gesamte Kette war noch eine ganze Weile aus dem Zug sichtbar.

Immer wieder ging es auch durch uralte historische Oasen, die allerdings längst in der Jetztzeit mit ihrer industriell geprägten Landwirtschaft angekommen sind. Die Baumwollernte war in vollem Gange, entzog sich dem Kameraobjektiv jedoch aufgrund zu stark spiegelnder Zugfenster. Aber ein paar Pappeln im Vordergrund tun es ja auch.

Auf der linken Seite des Zuges nach Norden hinaus sah es die meiste Zeit so aus, wie man sich das von einer Strecke durch die Wüste vorstellt.

Wo wir aus Mittel- und Nordeuropa Schneezäune kennen gibt es hier entlang der Gleise ganz ähnliche Konstruktionen, die jedoch den Wüstensand fernhalten sollen.

Ob es sich bei den umzäunten Parzellen im Bild unten um den dann allerdings kläglich gescheizerten Versuch handelt, entlang der Bahngleise und im Schutz der Sandzäune auch noch etwas anzubauen? Vielleicht sollten dort aber auch nur Halbwüstenpflanzen gepflanzt werden, die dann irgendwann einmal zu einem Schutzwaldgürtel heranwachsen würden.

Insgesamt zog sich die Fahrt ziemlich in die Länge, wäre da nicht ein paar interessante Mitreisende gewesen…
