Badefreuden
Asia, Travel Bali, Hinduism, Indonesia, religion, tourism, water
Natürlich nicht im Karpfenteich! Dieser ist nur zum Ansehen, zur Kontemplation. Das „Baden“ im Pura Tirta Empul in Tampaksiring sind – beinahe – ungetrübte Freuden auch nur für die Kleinen, wenn auch nicht für die Kleinsten. Das kräftig sprudelnde Wasser der heiligen Quelle (so auch der Name des Tempels) ist kalt!
Bei den Großen überwiegt die rituelle Reinigung, die religiöse Zeremonie, die Mystik des Ortes.

Dieser Ort hat schon eine gewisse Aura, wirkt besonders, besitzt eine Anziehungskraft, der man sich auch als Beobachter nicht entziehen kann. Aber ob man nun wirklich als nichthinduistischer Heilssucher unbedingt auch die rituelle Waschung vollziehen muss? Vielleicht bin ich zu streng, aber wenn das westliche Wellness-, Spa-, Yoga-, Party- und Shopping-Publikum aus dem nahen Ubud die heilige Quelle stürmt und wahrscheinlich ohne wirkliches Wissen um die Hintergründe und die religiöse Bedeutung der Zeremonie hier inbrünstig untertaucht, dann empfinde ich das irgendwie als unangebracht…
Obgleich das tiefere Verständnis wohl auch nicht bei jedem praktizierenden Hindu vorausgesetzt werden darf. So heißt es beispielsweise, jeder einzelne der insgesamt 20 Wasserspeiher hätte spezifische heilende Wirkung auf Geist, Seele und Körper. Nur welcher nun wofür gut ist, weiß man nicht mehr so recht. Also wird ausnahmslos unter allen geplanscht…
Der Tempel mitsamt Badeanlage geht auf das 10. Jahrhundert zurück und wurde in den 1950er Jahren renoviert und erweitert. Der Legende nach hat der Gott Indra höchstpersönlich dafür gesorgt, das hier heilendes und heiliges Wasser fließt.
Vor über tausend Jahren (das zumindest stimmt mit dem Gründungsdatum überein) herrschte über weite Teile Indonesiens und damit auch über Bali der zugleich sehr gläubige als auch arrogante und grausame König Mayadenawa. Durch seine religiöse Inbrunst machte er sich Shiva geneigt und erhielt von diesem die Gabe, sich in andere Menschen, Tiere und sogar unbelebte Gegenstände verwandeln zu können. Derart von Shiva belohnt wähnte sich der König zunehmend gottgleich, ließ sich selbst als Gott anbeten und bestrafte alle grausam, die sich diesem kult nicht anschließen wollten. Der rechtschaffene hohe Priester des Besakih Tempels Sang Kulputih wollte das grausame Treiben von Mayadenawa nicht mehr länger ertragen und begab sich auf die gefährliche Reise nach Indien, um dort Hilfe zu suchen (hier beginnt es problematisch zu werden, denn der Besakih Tempel wurde erst mit der Invasion hinduistischer Truppen aus Java Ende des 13. Jahrhunderts gegründet…).
In Indien erbarmte sich Gott Indra der unterdrückten Balinesen und zog mit einem großen Heer in den Krieg gegen Mayadenawa. Dieser wurde jedoch von seinen Spionen gewarnt ersann eine List, um sich gegen die Übermacht Indras zur Wehr zu setzen. Er verwandelte sich, schlich in das Heerlager Indras und vergifte das Wasser des Heeres.
Als die ersten Krieger sterbenskrank wurden, roch Indra den Braten (passt das Bild für einen Hindugott? Sind nur die Gläubigen Vegetarierer oder auch die Götter?). Dort wo heute aus gutem Grund der Pura Tirta Empul steht, stieß Indra seinen Speer machtvoll in die Erde und ließ so heilendes Wasser hervorsprudeln (Tirta Empul = sprudelnde Quelle), um damit seine Krieger zu kurieren. Keine Frage, dass Indras Heer den König Mayadenawa besiegte und zum Teufel jagte.
Wieder ein Sieg des Guten (Dharma) über das Böse (Adharma). Dieser spezifische Sieg Indras wird auf Bali bis heute alle 210 Tage nach dem balinesichen Kalender groß gefeiert, nennt sich Galungan. Und 2024 werden wir wohl dabei sein!


Für die badenden Bleichgesichter war’s das. Balinesische Hindus hingegen nehmen heiliges Wasser mit und ziehen gereinigt weiter zur Puja.


Groß und Klein sind konzentriert bei der Sache.
Bei den Brahmanen kann man daran zweifeln.
Die regelmäßigen Besucher sind tiefenentspannt und beobachten das Treiben völlig gechillt.